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Kratochwil weckt Hoffnungen auf deutsches WM-Comeback am Sachsenring

Großes Spektaktel: Mehr als 260.000 Besucher waren beim Deutschland-Grand-Prix dabei. / Foto: Robert Michael/dpa
Großes Spektaktel: Mehr als 260.000 Besucher waren beim Deutschland-Grand-Prix dabei. / Foto: Robert Michael/dpa

Fynn Kratochwil holt im Red Bull Rookies Cup auf dem Sachsenring Pole und Podestplätze und schürt Hoffnung auf ein deutsches WM-Comeback.

Seit drei Jahren fährt kein Deutscher dauerhaft in der Motorrad-WM. Ausgerechnet auf dem Sachsenring nähren sich nun die Hoffnungen auf ein Ende dieser Durststrecke. Fynn Kratochwil gilt als eines der größten deutschen Talente - unter Ex-Piloten, Förderern wie dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) und vielen deutschen Zuschauern. 

261.831 Fans kamen an diesem Rennwochenende an den Sachsenring – so viele wie noch nie. Darunter auch Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der in der MotoGP-Klasse die Zielflagge schwenkte. Unschlagbar war erneut Sachsenring-Spezialist Marc Márquez. Schon zum zehnten Mal triumphierte der Spanier und untermauerte seinen Ruf als «King of the Ring». Passend dazu feierte er mit einer aufblasbaren Krone seinen Triumph. Die Besucherzahl bedeutet einmal mehr Rekord, auch ohne deutsches Zugpferd auf höchstem Niveau.

Das könnte sich jedoch ändern - dank Kratochwil. Der 15-Jährige startet nach seinem Titelgewinn im Northern Talent Cup nun im Red Bull Rookies Cup und holte auf seiner Heimstrecke vor seiner Familie und vielen deutschen Fans zum ersten Mal eine Pole-Position in der wohl wichtigsten Serie auf dem Weg in die WM. In den Rennen behauptete er sich als Vierter am Samstag und Dritter zum Abschluss. Wegen eines Sturzes war der Lauf am Sonntag abgebrochen worden. «Das fühlt sich hier wie ein Sieg an. Danke, Sachsen», sagte Kratochwil.

Der bislang letzte Stammfahrer war Lukas Tulovic, der sich nach der Saison 2023 verabschieden musste. Zwischenzeitlich sprang zwar Jonas Folger ein, um den verletzten Maverick Viñales bei KTM zu vertreten. Ansonsten herrschte zuletzt allerdings Dürre. 

Der ADAC ist sich der Probleme seit Jahren bewusst und arbeitet gemeinsam mit dem Deutschen Motor Sport Bund daran, wieder mehr deutsche Fahrer zu entwickeln. Kratochwil im Rookies Cup sowie Anina Urlaß und Dauersieger Robin Siegert im Moto4 Northern Cup profitieren von der Förderung im Nationalkader, dem sogenannten Motorsport Team Germany. 

Talente der Stiftung «machen einen Superjob»

«Unsere Fahrer von der Stiftung machen einen Superjob. Das hätten wir vor drei, vier Jahren so nicht erwarten können. Die Arbeit wurde deutlich intensiviert», sagte Dieter Seibert, ADAC-Vorsitzender der Stiftung Sport. 

Auch Tulovic, insgesamt zwei volle Saisons in der Moto2-WM aktiv, erkennt einen positiven Trend. «Ich hoffe, dass der Weg so weitergeht und es ist auch sehr realistisch, dass wir in ein paar Jahren das eine oder andere deutsche Talent in der Weltmeisterschaft sehen werden.»

Kratochwil bestätigte seinen Status als größte Zukunftshoffnung. Auf dem Sachsenring arbeitete sich der Thüringer in der Gesamtwertung nach vorn im Rookies Cup, den in der Vergangenheit unter anderem Jorge Martín, Pedro Acosta und Johann Zarco gewannen. Sie haben den Sprung in die Königsklasse geschafft - Martín darf sich sogar MotoGP-Weltmeister nennen. 

Kratochwil peilt WM-Aufstieg an

Ihnen möchte Kratochwil folgen. Sein mittelfristiges Ziel ist die Moto3-WM. Wegen der Altersregel müsste er als Minderjähriger allerdings in der Saison 2027 zu den drei Besten des Red Bull Rookies Cups gehören, um schon 2028 startberechtigt zu sein. Während der Sachsenring im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag feiert und dem WM-Kalender bis mindestens 2031 erhalten bleiben wird, müssen sich die deutschen Fans noch etwas gedulden.

«Wir haben alle dieses Ziel. Aber man muss die Erwartungen dämpfen, dass das schon morgen gelingt», sagte Thomas Voss. Auch der Rechteinhaber MotoGP Sports Entertainment Group habe ein Interesse an einem deutschen Stammpiloten, erklärte er. Als Leiter Motorsport, Klassik und Veranstaltungen beim ADAC hofft Voss vorwiegend auf Kontinuität im Nachwuchsprogramm und eine höhere Konkurrenz. «Wir sind dabei, das zu entwickeln und wir haben es geschafft, dass jetzt alle an einem Strang ziehen.»

Noch ist Kratochwil weit von der MotoGP-Klasse entfernt. Am Sachsenring zeigte er jedoch erstmals, warum viele gerade ihn als Kandidaten für das Ende der deutschen Durststrecke sehen. «Es geht bergauf», sagte Tulovic über den deutschen Motorrad-Nachwuchs.

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