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Bauwirtschaft sieht Chance, Mietanstieg in Thüringen mit geringeren Standards und seriellem Bauen zu dämpfen

Vorschläge für bezahlbare Mieten: Abstriche bei Bau- und Ausstattungsstandards sowie mehr serielles Bauen. (Illustration)  / Foto: Patrick Pleul/dpa
Vorschläge für bezahlbare Mieten: Abstriche bei Bau- und Ausstattungsstandards sowie mehr serielles Bauen. (Illustration) / Foto: Patrick Pleul/dpa

Bau- und Wohnungswirtschaft fordert Lockerungen bei Bauvorgaben, mehr serielles Bauen und Anreize für Kommunen, um steigende Mieten in Thüringen zu dämpfen.

In Abstrichen bei Bau- und Ausstattungsstandards sowie mehr seriellem Bauen sieht die Bau- und Wohnungswirtschaft eine Chance, den Mietanstieg in Thüringen im Zaum zu halten. Für kostengünstiges Bauen in guter Qualität müssten einige staatliche Vorgaben in Richtlinien und Gesetzen angepasst und mehr experimentiert werden, sagte der Geschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Burkhard Siebert, in Erfurt. 

Nach seinen Angaben sanken die Wohnungsbauaufträge im Freistaat im vergangenen Jahr um knapp 18 Prozent, der Wohnungsbauumsatz um fast 12 Prozent - vor allem wegen hoher Kosten und Zinsen. Wohnraum sei in vielen Thüringer Städten, zunehmend aber auch in ländlichen Regionen knapp und teuer, erklärte der Geschäftsführer des Verbandes der Thüringer Wirtschaft, Matthias Kreft. 

Explodieren die Mieten?

Das Problem sei, dass im Neubau die Baukosten in Deutschland und Thüringen inzwischen bei im Schnitt 4.600 Euro pro Quadratmeter lägen, so die Vertreter der Verbände. Daraus würde sich theoretisch eine Nettokaltmiete von etwa 16 bis 18 Euro pro Quadratmeter ergeben. Solche Mietpreise seien von der Mehrzahl der Thüringer Haushalt nicht zu bezahlen. Deshalb würden die Verbände für einen gesetzlichen Grundstandard, eine Art Basisklasse, im Wohnungsbau plädieren, sagte Vincent Kopp vom Verband baugewerblicher Unternehmer. 

Als Beispiele für zu hohe Standards wurden Vorgaben von mehr als einem Dutzend Steckdosen in Küchen, extrem starken Betondecken oder Wanddämmungen genannt. In Hamburg sei für Neubauten eine Streichliste mit 70 Punkten vorgeschlagen worden - eine Art Werkzeugkasten, der auch in Thüringen in einigen Punkten als Blaupause genutzt werden könne, sagte Kopp. Größte Kostentreiber beim Bauen seien Tiefgaragen und Aufzüge.

Anreize für schnelle Kommunen? 

Die Verbände warben für mehr Tempo von der Bauentscheidung über die Baugenehmigung bis zum Einzug der Mieter - im Schnitt vergingen dafür derzeit 60 Monate. Beim seriellen oder modularen Bauen mit vorgefertigten Teilen läge die Bauzeit im Schnitt bei zwei Jahren, so Siebert. Für Kommunen sollte es spezielle Anreize geben, wenn sie Bauland zur Verfügung stellten und kurze Genehmigungsverfahren organisierten. 

Der Geschäftsführer des Thüringer Wohngutswirtschaftsverbandes, Frank Emrich, sprach sich für mehr staatliche Anreize für Bauinvestitionen aus. Ein gutes Angebot an bemalbarem Wohnraum sei auch ein Standortfaktor - beispielsweise bei der Gewinnung dringend benötigter Fachkräfte.

«Bezahlbaren neuen Wohnraum können wir zu den derzeitigen Baupreisen ohne staatliche Unterstützung kaum noch zur Verfügung stellen», mahnte Emrich. Kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen, die der Verband vertritt, sähen einen Weg auch im Ausbau von Dachgeschossen oder der Aufstockung von Wohnhäusern vor allem für mehr Wohnraum in den Städten Erfurt, Jena und Weimar.

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