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Kürbis bleibt in Thüringen Nischenkultur trotz langer Tradition

Kürbis bleibt in Thüringen Nischenkultur trotz langer Tradition
Kürbisse spielen beim Anbau in Thüringen keine besonders große Rolle. Dennoch ist er vor allem rund um Halloween sehr beliebt. (Archivbild) / Foto: Martin Schutt/dpa
Im Herbst und zu Halloween ist der Kürbis auch in Thüringen überall präsent. Trotz langer Anbaugeschichte ist die prominente Verwendung aber ein Phänomen der Neuzeit.

Lange haltbar, schmackhaft und einfach anzubauen: Eigentlich hat der Kürbis einiges, was ihn zu einer attraktiven Pflanze für den Anbau macht. In Thüringen spielt er bis heute jedoch eine eher untergeordnete Rolle. So wurde im vergangenen Jahr dem Thüringer Bauernverband zufolge ein Ertrag von etwa 164 Tonnen erzielt. Durchschnittlich entspreche das etwa 137.000 Kürbissen, erklärt Pflanzenbau-Referent André Rathgeber. 2016 habe der Ertrag noch bei rund 274 Tonnen gelegen. Trotz der Trockenheit im zurückliegenden Sommer seien die Prognosen für 2026 beim Kürbis gut.

«Thüringen gehört mit einer Anbaufläche von nur rund zehn Hektar zu den kleinsten Produzenten von Kürbissen in Deutschland», so Rathgeber. In Nordrhein-Westfalen würden auf rund 1.000 Hektar und in Baden-Württemberg auf 750 Hektar Kürbisse angebaut. Auch im Freistaat selbst sei der Anbau im Vergleich etwa zum Spargel oder zu Zwiebeln niedrig. Der größte Teil der Ernte werde über Direktvermarktung oder direkt vom Feld verkauft. Die wichtigste Sorte sei dabei der Hokkaidokürbis, gefolgt von Butternut- und Riesenkürbis.

Lange Geschichte in Thüringen

Trotz der vergleichsweise geringen Anbaufläche blickt der Kürbis auch in Thüringen auf eine lange Geschichte zurück: Kürbisse, die zum Essen geeignet sind, seien bereits im 16. Jahrhundert aus Amerika nach Europa gekommen, erklärt Juliane Stückrad von der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen in Hohenfelden. Im Thüringischen Wörterbuch fänden sich traditionelle Namen für Speisen wie Kärwesasch («Kürbisasch»), die im Ofen gebackene Kürbisse mit Mehl, Milch und Eiern beschreibt, oder «Karbsmus» (Kürbismus). Über Thüringen hinaus sei Kürbis auch als Kompott, süßsauer eingelegt, beliebt.

Zudem gebe es Verbindungen zwischen der historischen Gartenkunst der Weimarer Klassik, der traditionsreichen Erfurter Samenzucht, so Rathgeber. So würden im Pflanzenverzeichnis der berühmten Orangerie Belvedere in Weimar im Jahr 1820 fünf verschiedene Kürbisarten offiziell erwähnt. Bei den traditionsreichen Thüringer Zuchtbetrieben wie Ernst Benary, N.L. Chrestensen oder Haage, die Saatgut selektierten, kultivierten und in die ganze Welt vertrieben, hätten Kürbissamen fest zum Sortiment für Nutzgärten gehört, da sie ertragreich waren und sich gut lagern ließen.

Früher wurden Rüben geschnitzt

Dennoch habe der Kürbis lange Zeit in Thüringen eher eine Nebenrolle gespielt, erklärt Stückrad. Verbreitet sei es bis heute, etwa auf Komposthaufen einzelne Kürbisse anzubauen. Da der Ertrag entsprechend gering gewesen sei und diese zum Essen dienen sollten, sei es auch nicht üblich gewesen, Kürbisse auszuhöhlen und zu verzieren. In der Literatur zur Thüringer Küche oder zum heimischen Gemüseanbau gebe es daher fast nichts, was auf eine besondere Bedeutung von Kürbissen in Thüringen schließen lasse.

Den Rang, den der Kürbis mittlerweile im Rahmen von Halloween einnehme, habe früher ein ganz anderes Gewächs eingenommen: die Futterrübe. «Von ihr konnte man wohl eher einige entbehren, um sie zu Geisterlaternen umzuwandeln. Sie wurden im größeren Umfang angebaut», so die Expertin Stückrad. Zu gruseligen Gesichtern geschnitzte Rüben seien vor allem bei den sogenannten Heischebräuchen verwendet worden: Zwischen dem Martinstag und Weihnachten seien Kinder von Haus zu Haus gegangen und hätten Gaben erbettelt. «Diese Bräuche waren für die arme Bevölkerung und vor allem deren Kinder von Bedeutung, verschwanden im Laufe des 20. Jahrhunderts aber vielerorten.» Wenn die erhofften Gaben ausblieben, kamen auch die Rübengeister zum Einsatz, um die Erwachsenen zu erschrecken. 

Erst mit der Verbreitung von Halloweenfeiern in Europa seit den 1990er Jahren, habe schließlich auch der Kürbis als Dekorationsmittel und als Event-Food an Bedeutung gewonnen. Heute seien Kürbisse besonders im städtischen Umfeld viel leichter über die Supermärkte zu besorgen als Futterrüben. «Somit dominiert heute der Kürbis die herbstliche Festkultur.»

Kürbisschau im Egapark

Ein besonderes Event dieser Festkultur ist etwa die Kürbisschau im Erfurter Egapark, die bereits seit zehn Jahren existiert. Seit Anfang September seien in diesem Jahr rund 50.000 Kürbisse in etwa zehn verschiedenen Sorten zu sehen, erklärt Maria Gimpel von den Stadtwerken Erfurt. Der Aufbau und die Gestaltung der Ausstellungsflächen dauerten etwa anderthalb Wochen, beim Kürbis-Erntefest am 31. Oktober könnten die Besucher die Kürbisse dann mit nach Hause nehmen. Die Kürbisse für die großen Kürbisfiguren kämen aus Portugal, während die Kürbisse für die dekorative Gestaltung der Ausstellungsflächen aus der Region stammten, so die Sprecherin. Weitere Veranstaltungen sind etwa das Riesenkürbisfest in Breitungen im September oder das Kürbisglühen am 24. Oktober in der Innenstadt von Friedrichroda.

Im Handel und kulinarisch werden Kürbisse aufgrund Ihrer Eigenschaften als «Fruchtgemüse» bezeichnet. 2024 waren die größten Produzenten Indien, China und Ägypten.

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