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Modepuppe Steffi: Die Barbie des Sozialismus wird 60

Als Modepuppe hatte Steffi eine vielfältige Auswahl an Kleidung - anders als manch DDR-Bürger.  / Foto: Michael Reichel/dpa
Als Modepuppe hatte Steffi eine vielfältige Auswahl an Kleidung - anders als manch DDR-Bürger. / Foto: Michael Reichel/dpa

Erst Kinderzimmer-Star, dann Museumsstück. Was die DDR-Puppe Steffi mit der West-Konkurrenz verbindet - und wie sie sich von kapitalistischen Cousinen unterschied.

Die T30 hatte einen schlank geformten Kunststoffkörper, einen kühl wirkenden Blick und einen Schopf aus synthetischem Haar – und sie lässt heute noch manche Herzen höher schlagen. Denn die 30 Zentimeter große Modepuppe für Teenager (T), die den Namen Steffi trägt, war die Antwort der DDR auf Barbie aus den USA und auf die westdeutsche Petra.

60 Jahre nach dem Produktionsstart ist die mitunter als «Barbie des Sozialismus» bezeichnete Steffi - im Gegensatz zur allgegenwärtigen Kinderzimmer-Ikone des US-Spielzeugriesen Mattel - längst nicht mehr im Spielwarenregal zu finden. Stattdessen lebt sie in Museen, Kindheitserinnerungen, auf Online-Marktplätzen und in Privatsammlungen. 

Mütter, Töchter, Frauenbilder

Wie Barbie-Erfinderin Ruth Handler soll auch Steffi-Entwicklerin Margot Schmied die Puppe nach ihrer Tochter benannt haben. Das ergaben Archivrecherchen eines Mitarbeiters des Heimatmuseums in Schloss Tenneberg in Waltershausen. Die Kleinstadt am Thüringer Wald war lange Zentrum der Puppenproduktion - und Steffi wurde dort seit 1966 produziert. 

Barbie war 1959 auf einer Spielzeugmesse in den USA erstmals der Welt präsentiert worden – von der deutschen Puppe namens Bild-Lilli inspiriert, die auf einem sexualisierten Comic in der Boulevardzeitung basierte.

Manchem erscheint Steffis Körper plumper oder kräftiger als der von Barbie. Auch ihre hohe Stirn erscheint aus heutiger Sicht ungewöhnlich. Andere sehen den Körper einer erwachsenen Frau zumindest etwas realitätsnaher wiedergegeben. Zugleich stellt sich die Frage: War eine Wespentaille, kombiniert mit großem Busen und langen Beinen, auch ein sozialistisches Ideal?

Dicker Eyeliner und Föhnfrisur

«Reifer und damenhafter» als die Barbie wirkten die Steffi-Modelle, schreibt das Deutsche Patent- und Markenamt in einem Vergleich der beiden Modepuppen. «Ihr Make-up ist Ausdruck der Zeit: In den Sechzigern, da war der Eyeliner dick aufgetragen, der Lidschatten war grünblau, türkis. Dadurch wirkte die Steffi deutlich strenger, aber das war die Mode», beschreibt Bettina Dorfmann die typische Gesichtsbemalung der Puppe.

Dorfmann gilt als Puppen-Sachverständige, sie hat eine große Barbie-Sammlung. Auch etliche Steffi-Exemplare nennt sie ihr Eigen. Sie sagt auch: Während Barbie schnell ein moderneres, jugendlicheres Gesicht erhielt, blieb Steffis Antlitz gleich. Neben der Schminke mit schwarzem Lidstrich und grell leuchtend blauem Lidschatten gehörte zu Steffi eine meist üppige Föhnfrisur aus Kunsthaar. Dessen Qualität lässt Dorfmann schwärmen: «Das war sehr schönes Material, das nicht so schnell verfilzte.»

Kleider machen Karrieren

Während Barbie mit Ken noch einen Begleiter bekam, blieb Steffi allein. Und wie schaut es mit der Bekleidung aus, von der es für die US-Puppe ja reichlich gibt? Als «erstaunlich vielfältig, schick und überwiegend alltagstauglich» bezeichnet das Patentamt rückblickend Steffis Garderobe. 

Zwar gab es auch Modelle, deren Kleidung an Uniformen der Stewardessen der DDR-Fluggesellschaft Interflug erinnerten. So vielfältig wie bei Barbie sah die Berufswelt bei Steffi aber nicht aus, so Dorfmanns Einschätzung.

Progressiver als ihre Cousine aus kapitalistischem Feindesland war Steffi vielleicht in diesem Punkt: Schon früh wurde die Puppe in verschiedenen Hautfarben produziert. Zwar gab es zuvor im Barbie-Universum schon Modelle in schwarzer Hautfarbe - die erste schwarze und auch als solche offiziell bezeichnete Barbie kam dagegen erst 1980 auf den Markt.

Volkseigene Puppenfabrik

Hergestellt wurde Steffi im Volkseigenen Betrieb (VEB) Puppenfabrik Biggi in Waltershausen: Historische Fotos zeigen Frauen, wie sie in der Fabrik am Fließband die Puppenteile montieren. Schon als die DDR-Wirtschaft zusammenbrach, gab es laut Stadt Waltershausen im Puppenwerk zwei große Entlassungswellen, die Wende verbesserte die Situation nicht. Noch heute zeugt das Heimatmuseum im Schloss Tenneberg von der langen Puppen-Tradition der Kleinstadt Waltershausen. Auch einige Steffis gehören dort und auch im Deutschen Spielzeugmuseum in Sonneberg in Südthüringen zur Sammlung.

Und heute?

Nicht immer landeten Puppen, Auto- und Eisenbahnmodelle damals in den Leipziger, Erfurter oder Rostocker Kinderzimmern. Dem Patentamt zufolge wurde die Puppe Steffi häufig exportiert und gern auch Staatsgästen als Geschenk überreicht. DDR-Spielzeug galt als Devisenbringer. 

Wer damals eine Steffi-Puppe kaufen wollte, musste 16 DDR-Mark bezahlen – zum Vergleich: Hausschuhe gab es für elf Mark. Heute sind die Modelle je nach Zustand mal 20, mal 200 Euro wert, schätzt Dorfmann. «Entscheidend für den Preis ist, ob die Puppe bespielt wurde, Originalkleidung trägt, welchen Haarschnitt sie hat und ob noch ein Original-Karton dabei ist», zählt die Fachfrau auf. «Die Leute, die die Puppe heute sammeln, haben meist schon als Kind damit gespielt.»

Übrigens, mit der Steffi LOVE-Puppe, die die Simba-Dickie-Gruppe heute vertreibt, hat die DDR-Steffi nichts zu tun. Steffi LOVE sei 1987 eingeführt worden und der Name sei schlicht auf den zu dieser Zeit beliebten Mädchenvornamen zurückzuführen, heißt es aus der Presseabteilung des Spielzeugwaren-Herstellers mit Sitz in Fürth.

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