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Therapeuten und Patienten demonstrieren in Erfurt gegen 4,5-prozentige Honorarkürzung

In Thüringen und anderen Bundesländern wehren sich niedergelassene Psychotherapeuten dagegen, dass die gesetzlichen Krankenkassen bei der Finanzierung psychotherapeutischer Leistungen sparen wollen. (Symbolfoto) / Foto: Katharina Kausche/dpa
In Thüringen und anderen Bundesländern wehren sich niedergelassene Psychotherapeuten dagegen, dass die gesetzlichen Krankenkassen bei der Finanzierung psychotherapeutischer Leistungen sparen wollen. (Symbolfoto) / Foto: Katharina Kausche/dpa

Rund 150 Therapeuten und Patienten demonstrierten in Erfurt gegen eine ab April geplante Kürzung der psychotherapeutischen Vergütung um 4,5 Prozent.

Therapeuten und Patienten haben in Erfurt gegen drohende Einschnitte bei der Vergütung psychotherapeutischer Behandlungen demonstriert. Etwa 150 Menschen versammelten sich dazu vor dem Landtag in Erfurt, wie ein Polizeisprecher sagte. Hintergrund ist ein Beschluss des erweiterten Bewertungsausschusses, eines Bundesgremiums aus Kassen- und Ärztevertretern, wonach die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen von April an um 4,5 Prozent gekürzt wird.

Der Beschluss war vor zwei Wochen gegen die Stimmen der Ärzte- und Psychotherapeutenvertreter gefallen. Die Kassen begründeten ihn damit, dass niedergelassene Psychotherapeuten mit einer eigenen Praxis in den vergangenen Jahren überproportionale Honorarerhöhungen erhalten hätten. 

Mehr Therapeuten, trotzdem lange Wartezeiten

In Thüringen sind nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung derzeit 586 Psychotherapeuten in der ambulanten Versorgung tätig. Sie behandeln unter anderem Depressionen, Angsterkrankungen, Zwangs- und Essstörungen. Gängige Verfahren sind etwa die Verhaltenstherapie oder die tiefenpsychologisch fundierte Gesprächstherapie.

Die Therapeutenzahl hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht, 2019 waren noch 457 Therapeuten tätig. Beim Warten auf einen Therapieplatz bei den niedergelassenen Fachärzten oder Psychologen müssen Patienten trotz des Anstiegs weiterhin viel Geduld aufbringen.

Das hat neben dem gestiegenen Behandlungsbedarf auch mit den Besonderheiten von Psychotherapien zu tun, die sich strukturell von ambulanten Behandlungen körperlicher Beschwerden unterscheiden. Die Patienten kommen während eines festgelegten Zeitraums in der Regel ein- bis zweimal wöchentlich zur Behandlung, die von der Krankenkasse vorab genehmigt werden muss. Je nach Verfahren sind 24 bis 100 Behandlungsstunden nötig, teils auch mehr. Erst wenn ein Therapiezyklus abgeschlossen ist, können neue Patienten nachrücken.

Bundesweit protestieren Therapeuten

Nach dem KV-Honorarbericht belief sich das von den gesetzlichen Krankenkassen 2024 in der ambulanten Psychotherapie in Thüringen gezahlte Bruttohonorar auf knapp 74,7 Millionen Euro – bei einer Gesamthonorarsumme von 1,3 Milliarden Euro für alle Haus- und Fachärzte. Gegen den Beschluss zur Honorarkürzung in der Psychotherapie regt sich dieser Tage bundesweit Protest.

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