Am Oberlandesgericht in Jena hat der Prozess gegen einen 66 Jahre alten Mann begonnen, der sich vor mehr als zehn Jahren dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben soll. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem im irakischen Mossul geborenen Mann vor, Propaganda-Videos für den IS gefertigt und sich auch an Kampfhandlungen beteiligt zu haben. Er soll sich im Jahr 2014 freiwillig dem IS angeschlossen haben. Der Angeklagte wohnt in Deutschland in Nordhausen und befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.
Oberstaatsanwalt Martin Gottschalk verlas die Anklageschrift, die dem Beschuldigten simultan von einem Dolmetscher übersetzt wurde. Demnach soll es ein Video des IS geben, auf dem der Mann mit einer Waffe zu sehen sein soll. «Das Video vermittelt den Eindruck, dass er sich sowohl äußerlich als auch innerlich als dschihadistischer Kämpfer sieht und sich voll und ganz mit der Sache des IS identifiziert», sagte der Oberstaatsanwalt während der Verlesung der Anklage.
Der Beschuldigte äußerte sich vor Gericht in einer ausführlichen Erklärung, die simultan übersetzt wurde. Er gab an, vor der Machtübernahme des IS in Mossul als Redakteur einer Zeitschrift gearbeitet zu haben. Journalisten, die für das gleiche Medium gearbeitet hätten wie er, seien vom IS hingerichtet worden, erklärte der Angeklagte. Seine Frau sei festgenommen und gefoltert worden. Ihr sei erklärt worden, dass ihre Kinder getötet würden, wenn sich ihr Mann nicht binnen einer Woche stelle. Er habe sich dann gestellt.