Im Obergeschoss eines Gründerzeithauses im Erfurter Süden führen die Aktivisten von «Widersetzen» ein Gespräch, das nach ihren Angaben typisch dafür ist, wie sie an vielen, aber nicht an allen Haustüren empfangen werden: Es geht um Protest gegen den geplanten AfD-Bundesparteitag Anfang Juli in der Thüringer Landeshauptstadt. Die junge Frau, die ihre Tür öffnet, sieht die AfD und ihr Weltbild kritisch. Wird sie protestieren? «Ob ich daran teilnehmen würde, weiß ich nicht, aber ich finde die AfD schrecklich.»
Kurz zuvor hatten die Aktivisten Michel Schlichtenberger und Lola Mehring keinen Erfolg. Ein Mann winkte ab, als er ihr Anliegen hörte. Insgesamt zeigten sich die beiden mit dem Verlauf der Aktion jedoch zufrieden. Sie würden oft Zustimmung zu ihren politischen Positionen erhalten, wenn sie es schafften, mit Menschen über die AfD ins Gespräch zu kommen, sagen Schlichtenberger und Mehring.
«Ich bin auch schon mal zum Kaffee eingeladen worden», erzählt Schlichtenberger am Samstag am Rande eines Haustür-Aktionstages. Solche Situationen ermöglichten intensive Gespräche. «Und wenn so was passiert, dann nehmen wir uns auch die halbe Stunde Zeit.» An einer Haustür bedroht worden sei er noch nie. Er wisse auch von keinem anderen Mitglied des Bündnisses, das schon einmal in eine bedrohliche Situation gekommen sei.