Eine Bigband schmettert einen Song aus «Rocky», tosender Applaus und Standing Ovations: Die Thüringer Linke feiert ihren Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und wählt ihn auf einem Parteitag mit 99,12 Prozent zu ihrem Spitzenkandidaten. Der 68-Jährige hat im Wahlkampf eine Mission: «Ich kämpfe nicht gegen andere demokratische Parteien, ich kämpfe gegen die Normalisierung des Faschismus», rief er am Samstag den 115 Delegierten in der Stadthalle von Bad Blankenburg (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) zu.
Nach seiner Wahl bekam er minutenlangen Applaus. Eine Bigband aus Jena spielte «Gonna fly now» - den Titelsong aus dem Box-Filmklassiker «Rocky», in dem Film geht es auch ums Kämpfen. «Ich möchte, dass wir uns unterhaken, dass wir uns aufmachen», sagte Ramelow in seiner Bewerbungsrede für Listenplatz eins.
Ramelow, der als Gewerkschafter in der Wendezeit nach Thüringen kam, ist seit 2014 - mit kurzer Unterbrechung - Ministerpräsident im Freistaat. Bei der Landtagswahl 2019 erhielt seine Linke in Thüringen 31 Prozent und wurde stärkste Kraft - das war ein Novum. In jüngeren Umfragen fiel Ramelows Partei aber zurück - auf Platz drei mit Werten zwischen 15 und 18 Prozent. Ein möglicher Grund: Im Januar hatte sich das Bündnis Sahra Wagenknecht als Partei gegründet und Mitte März einen Thüringer Landesverband aus der Taufe gehoben. Die bekannte Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf wechselte von der Linken zum BSW und wurde dessen Landesvorsitzende.