Viel Pathos, wenig Streit und ein kleiner Dämpfer für den Co-Vorsitzenden: Bei einem von lauten Protesten begleiteten Bundesparteitag bestätigen AfD-Delegierte die Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla im Amt. Gegenkandidaten gibt es nicht. Weidel erhält 81,3 Prozent und kann sich damit minimal verbessern im Vergleich zur Wahl vor zwei Jahren. Chrupalla schneidet mit rund 70 Prozent deutlich schwächer ab als 2024. Damals erhielt er 83 Prozent Zustimmung. Hinterher sagt er, immerhin hätten ihm mehr als zwei Drittel der Delegierten ihre Stimme gegeben.
Höcke bietet Therapie an
Höcke sagt, die AfD müsse heilen. «Wir müssen einen Teil der Nation auf die Couch legen und therapieren. Es geht darum, Deutschland wieder mit sich selbst zu befreunden. Wir müssen unsere Identität wieder gewinnen.»
Drei neue Vize
Die zweite Reihe des Bundesvorstandes wird von den rund 600 Delegierten komplett ausgetauscht.
- Mit Stefan Möller wird ein Vertrauter von Höcke zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. Er erhält 76,54 Prozent. Der Thüringer AfD-Co-Chef Möller nennt Höcke in seiner Rede einen Weggefährten und Freund, weist aber Darstellungen zurück, er sei von ihm ferngesteuert.
- Neu auf dem Vize-Posten ist zudem Katrin Ebner-Steiner. Die Co-Vorsitzende der bayerischen AfD-Landtagsfraktion sagt, man wolle Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) «aus der Staatskanzlei jagen». Sie tritt ohne Gegenkandidaten an und erhält knapp 56 Prozent.
- Auf den dritten Vize-Posten wählen die Delegierten Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen, der die AfD «an der Schwelle zur Macht» sieht. Er erhält 50,7 Prozent und setzte sich gegen Kay Gottschalk durch. Der Bundestagsabgeordnete versucht vergeblich, mit Parolen wie «Remigration löst viele Probleme» zu punkten.
- Neuer Bundesschatzmeister der AfD ist Hannes Gnauck. Der ehemalige Chef der inzwischen aufgelösten Jungen Alternative setzt sich einer Kampfkandidatur gegen den langjährigen Schatzmeister Carsten Hütter durch.