Volleyball-Trainer Laszlo Hollosy vom Überraschungsteam VfB Suhl muss lachen, bevor er antwortet. Wie er die heimische Sporthalle Wolfsgrube beschreiben würde? «Für die gegnerischen Mannschaften ist es wohl ein Alptraum. Für uns ist sie natürlich ein echter Energieschub», sagte der Ungar der Deutschen Presse-Agentur. Das soll auch am Mittwochabend (19.00 Uhr/Dyn) so sein, wenn die Pokalsiegerinnen den Dresdner SC zum ersten Spiel der Finalserie um die deutsche Meisterschaft in Thüringen empfangen.
«Jeder Verein ist stolz auf seine Fans. Aber ich denke, wir haben hier in Deutschland die leidenschaftlichsten Fans», sagt Hollosy. Mittelblockerin Laura Berger stimmt nach Siegen gerne per Megafon das «Humba täterä» für die rund 1.800 Fans an und dann wird zusammen gefeiert.
Ein Projekt geht auf
Der Heimvorteil ist nur einer der Gründe für den ersten Finaleinzug des «Wolfsrudels» in der Bundesliga. Dass die Thüringerinnen das Double vor Augen haben, ist eine Überraschung, aber auch Ergebnis eines zielstrebigen Entwicklungsprozesses.
Er erinnere sich noch gut an sein erstes Gespräch mit Geschäftsführer Alexander Mantlik im Jahr 2020, erzählte Hollosy. «Er hat mir gesagt, dass sie einen Dreijahresvertrag mit mir abschließen wollen.» Unüblich lang für das Volleyball-Geschäft. Doch Mantlik hatte eine Vision. «Er hatte einen klaren Plan, nämlich ein Playoff-Team aufzubauen.»
Das gelang schon in der ersten Saison, und jedes Jahr ging es etwas voran. «Ich habe das Motto, dass Erfolg eine Konsequenz ist und kein Ziel», sagte Hollosy. Der Club professionalisierte sich Stück für Stück, dazu kamen treue Sponsoren. Das Budget ist immer noch kleiner als in Stuttgart, Dresden oder Schwerin. Aber der VfB schafft es immer wieder, unbekanntere Spielerinnen zu verpflichten und zu entwickeln.
Die Mischung passt bei Suhl
Auch Hollosy gewöhnte sich an die deutsche Volleyball-Kultur und die junge Spielerinnen-Generation. «Als ich meine Trainerkarriere begann, waren die Trainer vielleicht strenger, oder die Sportlerinnen hatten nicht allzu viel Mitspracherecht», sagt der 49-Jährige. «Bei dieser neuen Generation glaube ich, dass man mehr auf die Spielerinnen eingehen muss.»
Im Team passt der Mix in dieser Saison: Kapitänin Roosa Laakonen und Lara Nagels blieben als erfahrene Anführerinnen dabei. Neuverpflichtung Monika Brancuska wurde zur Topscorerin der Liga. Auch Mackenzie Foley und Hannah Hartmann etablierten sich als Leistungsträgerinnen.
Dresden setzt auf eigenen Nachwuchs
Während es für Suhl die Final-Premiere ist, streben die Sächsinnen ihre siebte Meisterschaft an. Im Halbfinale schaltete der Vizemeister von Trainer Alexander Waibl den großen Favoriten Stuttgart aus.
Der 58-Jährige, der in seiner 17. Saison in Dresden ist, erwartet eine ausgeglichene Serie beim ersten mitteldeutschen Finale. «Suhl war für mich die stärkste Mannschaft der Rückrunde, sie schwimmen auf einer Welle», sagte Waibl. «Aber auch wir haben uns in den Playoffs weiter gesteigert, verfügen über viel Talent und die Mannschaft gibt nie auf.»
Waibl ist besonders stolz darauf, wie stark der DSC weiter auf den eigenen Nachwuchs setzt. Mit Patricia Nestler, Mette Pfeffer, Florentine Rosemann, Larissa Winter und Teresa Ziegenbalg stehen fünf Spielerinnen aus der eigenen Nachwuchsschmiede im Kader. Eine ungewöhnlich hohe Zahl in der Bundesliga.
Druck bei Dresden
Den Druck sieht Hollosy aufgrund der Historie klar bei den Dresdnerinnen. Dass sein Team mit kniffligen Situationen umgehen und große Gegner schlagen kann, hat es in dieser Saison zur Genüge unter Beweis gestellt. Im Pokalfinale gegen Stuttgart, in den Playoffs gegen Titelverteidiger Schwerin und auch schon gegen den DSC. Im Pokal-Halbfinale gewann Suhl im Tiebreak.
In der Liga waren ebenfalls beide Partien knapp. Zweimal hieß es 3:2 für Dresden. «Wir müssen gut vorbereitet sein. Und am Ende weiß nur Gott, wer die Besten sein werden», prognostizierte Hollosy. Wer als Erstes drei Spiele gewinnt, hat den Titel.
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