Nach 23 Jahren Profifußball geht im Schacht das Licht aus. Der Absturz in die Regionalliga ist für den FC Erzgebirge Aue praktisch nicht mehr abzuwenden. Und das ausgerechnet im Jahr des 80. Vereinsjubiläums.
Torjäger Marcel Bär beschrieb die Gemengelage im Erzgebirge schon nach der Heimniederlage gegen Hoffenheims Reserve Anfang April treffend: «Ich stehe hier gefühlt Woche für Woche und erzähle den gleichen Scheiß. Es ist peinlich, wenn die gegnerische Mannschaft Tore schießt und die eigenen Fans jubeln.»
Der Stolz beim viermaligen DDR-Meister ist verloren gegangen. Wenigstens mit dem Einzug ins sächsische Landespokalfinale dank des 2:0 beim Chemnitzer FC besteht noch eine Titelchance. Am 23. Mai muss Aue in der Zwickauer GGZ-Arena im Finale beim Regionalligisten FSV antreten.
Doch wie konnte es in Liga drei so weit kommen? Fehlende Kontinuität in der sportlichen Führung. 16 Trainerwechsel in zehn Jahren und keine Besserung in Sicht. Dabei war der lila-weiße Verein aus dem Lößnitztal doch jahrelang ein Paradebeispiel, wie man mit einem Mini-Etat in einer Kreisstadt im Erzgebirge mit Vernunft, Planungsgeschick und weitsichtigen Entscheidungen Zweitliga-Fußball präsentierte.
In der Saison 2010/2011 schnupperte der Club als Herbstmeister sogar am Erstligaaufstieg. Insgesamt spielte man seit 2003 im Fußball-Unterhaus, stieg nach den Drittligaabstiegen 2008 und 2015 immer wieder auf. Doch seit dem Abstieg 2022 geht es im Schacht nur noch bergab.
Probleme sind hausgemacht
Von Betriebsunfall oder Ausrutscher kann derzeit keine Rede sein. Die Probleme beim Kumpelverein sind mehr als hausgemacht. Anfang April setzte der Verein den gerade erst im Februar verpflichteten Cheftrainer Christoph Dabrowski nach elf Niederlagen und zwei Remis vor die Tür.
Sport-Geschäftsführer Michael Tarnat, der erst im Januar geholt wurde, übernahm die Verantwortung für den sportlichen Niedergang mit null Drittligasiegen von Dabrowski und nahm seinen Hut. Der ehemalige Bayern-Star hatte inmitten des Abstiegskampfs mit Vincent Ocansey nur einen Stürmer aus der fünften Liga als angebliche Verstärkung geholt. Bilanz: Null Tore in zehn Spielen.
«Die nun eingeleiteten Maßnahmen sollen die Weichen für eine Trendwende stellen», erklärte Sportvorstand Jens Haustein. Doch damit hatten die Verantwortlichen in nur einem halben Jahr mit Ex-Trainer Jens Härtel und Sport-Geschäftsführer Matthias Heidrich gleich zweimal die Sportführung gewechselt. Auch der Rausschmiss von Coach Pavel Dotchev im November 2024 war ein Beleg dafür, wie planlos im Erzgebirge gearbeitet wurde.
Fans starten Petition und wollen Aufklärung
Die Fans fordern Aufklärung. Mit Janet Rosenau hat eine Anhängerin eine Petition gestartet mit dem Ziel einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Von «Häufung von Problemen» ist die Rede. Der Club reagierte nun und «lädt am 19. Mai Mitglieder, Fans, Sympathisanten und Sponsoren drei Tage nach Abschluss der 3. Liga zu einem Informations-Abend ins Kumpelrevier des Stadions ein. Denn den Verantwortlichen ist es besonders wichtig, in herausfordernden Zeiten im direkten Austausch zu bleiben», hieß es auf der Vereins-Homepage.
Es soll auch ein Blick in die Zukunft sein. Denn der zum Cheftrainer aufgestiegene Nachwuchsleiter Chwitscha Schubitidse soll mit dem neuen Chefscout Steffen Ziffert und Sportvorstand Haustein die Mission Wiederaufstieg angehen.
Ob es dafür ein tragbares Konzept gibt? Die Fans wollen Antworten. Eine Personalie ist sicher. Urgestein und Rekordspieler Martin Männel will bleiben. «Die Region und uns als Mannschaft hat es immer ausgezeichnet, dass wir immer wieder aufgestanden sind und Rückschläge in Stärke ummünzen konnten. Wenn man an den richtigen Stellschrauben dreht, bin ich mir sicher, dass wir auch gestärkt daraus hervorgehen», sagte Männel dem MDR.
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