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Thüringer Verband rät Erfurter Kaderathleten, DESG-Athletenvereinbarung nicht zu unterschreiben

Fingerzeig, wo es langgeht: Matthias Große. (Archivbild) / Foto: Britta Pedersen/dpa
Fingerzeig, wo es langgeht: Matthias Große. (Archivbild) / Foto: Britta Pedersen/dpa

Thüringer Verband rät Erfurter Kaderathleten, die DESG-Athletenvereinbarung mit Umzugsauflage nach Berlin oder Inzell nicht zu unterschreiben; Frist läuft.

Dem deutschen Eisschnelllauf droht im Wirbel um die Kaderathleten aus dem Bundesstützpunkt Erfurt eine weitere Eskalation. Das Präsidium des Thüringer Eis- und Rollsportverbandes (Terv) «rät den Kaderathletinnen und -athleten am Bundesstützpunkt Erfurt, die Athletenvereinbarung in der vom DESG-Präsidium vorgelegten Fassung, die mit einem Standortwechsel nach Berlin oder Inzell verknüpft ist, nicht zu unterschreiben», hieß es in einer Verbandsmitteilung.

Frist für die Abgabe der unterschriebenen Athletenvereinbarung ist der heutige Freitag. Damit gehen die Thüringer auf Konfrontation zur Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft. Das Präsidium des Dachverbandes hatte eine Strukturreform beschlossen.

Demnach sollen ab Juli die Kaderathleten auf die Standorte Inzell (Mehrkampf und Langstrecke) sowie Berlin (Sprint) konzentriert werden. Die Bundesstützpunkte in Erfurt und Chemnitz sollen «insbesondere im Nachwuchsbereich eine zentrale Rolle übernehmen», erklärte DESG-Präsident Matthias Große auf dpa-Anfrage über eine Anwaltskanzlei.

DESG-Präsident Große wird deutlich

In einem Interview des MDR legte der Unternehmer nach. «Wenn die Herrschaften, die da nicht unterschreiben wollen, dann entscheiden sie sich dafür, nicht Kadersportler der DESG zu sein. Das ist ihre persönliche Entscheidung», sagte Große. Und weiter: «Erfurt hat keine Kaderathleten mehr, wenn die Athleten nicht die Athletenvereinbarung unterschreiben. Klarer Weg.» Zugleich bezeichnete es der Verbandschef als «Lügen», dass man Erfurt «zerstören» oder etwas wegnehmen wolle. «Die Wahrheit ist, wir wollen jeden Bundesstützpunkt erhalten, jeden. Aber wir wollen die Struktur so anpassen, dass sie Sinn macht», betonte Große.

Laut Thüringer Landesverband sei «nach sehr intensiven und hochemotionalen Gesprächen» mit nahezu allen Kaderathletinnen und -athleten bei den Sportlerinnen und Sportlern ein Klima der Angst, große Sorge um die sportliche und persönliche Zukunft sowie absolutes Unverständnis über das inhaltliche und formelle Vorgehen des DESG-Präsidiums zu spüren. «Vielfach werden die Beendigung der eigenen Karriere oder der Wechsel ins Ausland als einziger Ausweg aus der vom DESG-Präsidium geschaffenen Drucksituation gesehen», schrieb der Landesverband.

DESG-Schreiben an Arbeitgeber

Für zusätzliche Aufregung sorgte ein Schreiben der DESG-Führung an Bundeswehr, Bundespolizei und Landespolizeien als Arbeitgeber der Sportler über die Sportförderstellen. Diese sollten dem Verband gegenüber schriftlich bestätigen, «dass Sie Ihre dem Bundeskader angehörenden Athletinnen und Athleten entsprechend anweisen, der beschriebenen neuen Trainingsstruktur zu folgen und sich an den jeweils zugewiesenen Bundesstützpunkt zu orientieren». 

Zugleich wird in dem Schreiben, das der dpa vorliegt, auf einen Hauptsponsor mit Sitz in Bayern verwiesen, der «ein berechtigtes Interesse an der Stärkung des Standorts Inzell» habe. Der Thüringer Landesverband reagierte darauf irritiert. «Diese Begründung wirft bei uns die Frage auf, ob tatsächlich ausschließlich objektive und sportfachliche Gründe zur Strukturentscheidung des DESG-Präsidiums geführt haben», erklärte der Verband.

Rücktrittsforderung und Ablehnung

Wegen der nicht abgestimmten Strukturreform sowie des Drucks auf die Sportler zum Wechsel nach Inzell oder Berlin hatte der Thüringer Verband Große und das gesamte DESG-Präsidium bereits zum Rücktritt aufgefordert. 

Die Verbandsspitze hatte dies zurückgewiesen. «Unterschiedliche Auffassungen über sportpolitische oder strukturelle Entscheidungen sind legitim. Sie rechtfertigen jedoch keine Rücktrittsforderung gegen ein demokratisch legitimiertes Präsidium, nur weil dieses notwendige, möglicherweise auch unbequeme Entscheidungen trifft», erklärte Große.

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