Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat die Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt mit Verweis auf die staatliche Unterstützung für das Unternehmen kritisiert. «Mich macht das fassungslos», sagte Ramelow der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Die Entscheidung, den Standort dichtzumachen, sei eine Missachtung von Arbeitnehmern und Region. «Der Aufstieg von Zalando als Internethändler geht mit dem Logistikzentrum in Erfurt einher.»
Ramelow, heute Bundestagsvizepräsident, sprach von einer kalten Abwicklung des Standorts mit nicht viel mehr als dem gesetzlich vorgeschriebenen Sozialplan. Er sprach von «Raubtierkapitalismus». Der Versandhändler hatte sich nach seiner Gründung als Start-up in Berlin bei Erfurt seien ersten großen Logistik-Standort aufgebaut, der nach Unternehmensangaben heute rund 2.700 Arbeitnehmer beschäftigt.
Bundesumweltminister: dreist und unverfroren
Kritik kam auch von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der aus Erfurt stammt. Zalando sei mit dem Standort Erfurt gewachsen und erfolgreich geworden. «Sich heute so dreist und unverfroren gegen diesen Standort zu stellen und 2.700 Familien ins wirtschaftliche und soziale Unglück zu stürzen, zeugt von einem skandalösen Verhalten», sagte Schneider. «Das hat weder etwas mit unternehmerischer Verantwortung noch mit betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit zu tun. Zalando steht damit exemplarisch für einen eiskalten Kapitalismus, der Gewinne privatisiert und soziale Fragen ausblendet.»
Ramelow sagte: «Zalando hat alle zur Verfügung stehenden Fördermöglichkeiten erhalten - direkte und indirekte.» Nach seinen Angaben wurden sogar Busverbindungen in verschiedene Thüringer Regionen organisiert, um Arbeiskräfte nach Erfurt zu bringen. Das Logistikzentrum habe eine internationale Belegschaft. Nach Angaben von Ramelow werden Arbeitnehmer aus Osteuropa, aber auch viele Migranten beschäftigt, die nach 2015 nach Deutschland kamen.
Gerade sei versucht worden, dem Logistikzentrum eine Tarifbindung zu geben. Ramelow, der vor seiner Politik-Karriere Gewerkschaftsfunktionär war, kündigte Unterstützung für die Arbeitnehmer an, die ihre Arbeit verlieren sollen. «Ich werde mich an die Seite des Betriebsrats stellen.»
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