Für Evelyn Forkel dauert die Weihnachtszeit das ganze Jahr. Die 70-Jährige führt das Familienunternehmen Marolin in dritter Generation. Zwar stellt die Manufaktur längst auch andere Dekorationsartikel her. Der Traditionshersteller aus dem südthüringischen Steinach ist aber vor allem für seine aus Papiermaché gefertigten Krippen- und Weihnachtsfiguren bekannt.
In über 100 Jahren hat Marolin einige Höhen und Tiefen durchschritten. Durch den tragischen Tod ihres Vaters bei einem Verkehrsunfall musste sie die Führung im Betrieb übernehmen. Ihr Sohn, der die Nachfolge eigentlich antreten sollte, war noch mit dem Studium beschäftigt. Und so kam Evelyn Forkel zu der Rolle, die sie seit knapp 30 Jahren ausfüllt.
Sie steckt auch jenseits des Rentenalters noch Kraft und Erfahrung in ihr Unternehmen. Dabei hatte sie mit dem Marolin-Geschäft zunächst nichts zu tun. «Ich bin eigentlich artfremd, ich bin Bauingenieur», so Forkel. In rund 30 Jahren als Geschäftsführerin hat sich das geändert.
Dabei war der Neuanfang nach der politischen Wende in Steinach alles andere als einfach. Denn die Rezeptur für das Papiermaché, die ihr Urgroßvater einst in der Küche des eigenen Wohnhauses entwickelt hatte, war verloren gegangen. Richard Mahr hatte den Hausbetrieb zu einem Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern aufgebaut. Die Familie wurde - wie viele andere Betriebe - enteignet, musste ausziehen und bekam eine Wohnung zugewiesen.