Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sind die Hoffnungen in Thüringen lebender Ukrainer auf einen baldigen fairen Frieden gering. «Ich bin sehr skeptisch», sagte Vasyl Vitenko, Vorsitzender des Vereins ukrainischer Landsleute in Thüringen, der Deutschen Presse-Agentur. Die bisherigen Friedensgespräche unter Vermittlung der USA ließen keine Hoffnung aufkommen. Russlands Präsident Wladimir Putin spiele auf Zeit und verstehe es, US-Präsident Donald Trump zu manipulieren. Umso härter attackiere Russland die zivile Infrastruktur in der Ukraine.
In einem strengen Winter mit zweistelligen Minusgraden, Schnee und Eis greift Russland seit Wochen gezielt Heizkraftwerke und andere Anlagen der Energieversorgung an, Wohnungen können nicht geheizt werden. Das verschärft den ohnehin harten Kriegsalltag der Menschen noch. In dieser Situation sei die Hilfe von in Thüringen lebenden Ukrainern besonders gefragt, so Vitenko.
Hilfsgüter für die Ukraine: Warme Kleidung, Generatoren
Der Verein sammelt derzeit vor allem Hilfsgüter, die die Leiden durch die Kälte lindern sollen: warme Kleidung, Decken, mobile Powerstationen, mit denen Heizgeräte betrieben werden können, auch Dieselgeneratoren. Mehrere Hilfstransporte seien zuletzt in die Ukraine geschickt worden, so Vitenko. Nicht alle Hilfebitten könnten realisiert werden, so seien mobile Energiespeicher auf dem Markt derzeit kaum verfügbar und zudem ziemlich teuer. Die Hilfsgüter werden aus Spenden finanziert.
Nach anfänglich großer Solidarität in Thüringen mit den Menschen aus dem überfallenen Land ist die Spendenbereitschaft inzwischen spürbar gesunken, hat der Verein beobachtet. Dabei spiele vor allem die Inflation in der Folge des Ukraine-Krieges eine Rolle, die vielen Menschen Probleme mache, schätzte Vitenko ein. Manche verwiesen auch auf die staatlichen Unterstützungsleistungen für Kriegsflüchtlinge. Auch verbale Anfeindungen durch Einheimische nähmen zu.
Dennoch gebe es in Thüringen nach wie vor wertvolle Unterstützung für Ukrainer, betonte der Vereinschef. Das gelte für die Landesregierung und Kommunen ebenso wie für privates Engagement. In Erfurt etwa gebe es Sprachcafés, in denen Ehrenamtler ukrainische Kriegsflüchtlinge beim Deutschlernen unterstützten. Thüringer Ärzte leisteten medizinische Hilfe, teils direkt in der Ukraine. Beispielsweise operiere ein Unfallchirurg aus Apolda dort Kriegsversehrte und bilde ukrainische Chirurgen für das Einsetzen von Endoprothesen weiter.
Krebsgesellschaft kümmert sich um tumorkranke Flüchtlinge
Um medizinische Hilfe für die Ukraine kümmert sich in Thüringen nicht nur der Verein, sondern auch die Thüringische Krebsgesellschaft. Sie vermittelt Krebskranke aus der Ukraine, die in ihrem Land wegen zerstörter medizinischer Infrastruktur nicht behandelt werden können, zur Therapie an Kliniken und Arztpraxen in Thüringen. Seit Kriegsbeginn seien 200 Krebskranke in Behandlung vermittelt worden, teilte die Gesellschaft auf Anfrage mit. Mehr als 60 Patienten stünden auf einer Warteliste.
Russland hatte die Ukraine am 24. Februar 2022 angegriffen. Seitdem wehrt sich das Land mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Am Jahrestag des Angriffs sind in Thüringen mehrere Solidaritätsveranstaltungen geplant, darunter eine Kundgebung in Erfurt und Andachten in mehreren Kirchen. Laut Statistischem Landesamt leben in Thüringen mehr als 36.000 Menschen aus der Ukraine.
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