Bis zur Anerkennung der Abschlüsse von ausländischen Ärzten in Thüringen dauert es bislang teils um die zwei Jahre – je nach Herkunftsland. Deutliche Unterschiede gibt es dabei zwischen Medizinern aus der Europäischen Union und jenen aus anderen Ländern, wie aus der Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Linke-Landtagsanfrage hervorgeht. Wer nicht aus der EU kam, musste im vergangenen Jahr bis zu 671 Tage auf die Zulassung (Approbation) warten, was rund 22 Monaten entspricht.
Im Dezember 2025 waren beim Landesverwaltungsamt demnach 651 Verfahren auf Erteilung einer Approbation anhängig, außerdem 113 Verfahren zur Erteilung einer Berufserlaubnis, einer Übergangslösung. Mit einer Berufserlaubnis können Mediziner aus dem Ausland in der Regel befristet und nur unter Aufsicht arbeiten. EU-Mediziner warteten im Schnitt 237 Tage oder rund acht Monate auf die Erteilung der Approbation.
Das Landesverwaltungsamt ist die zuständige Approbationsbehörde für Heilberufler in Thüringen. Sie hat nach Angaben einer Sprecherin im vergangenen Jahr letztlich 244 Approbationen und 137 Berufserlaubnisse an Ärzte mit nichtdeutschem Pass ausgestellt.
Sprach-, Kenntnis- und Gleichwertigkeitsprüfung
Grund für die langen Wartezeiten vor allem bei Drittstaatlern sind besondere Anforderungen wie Fachsprachen-, Kenntnis- und Gleichwertigkeitsprüfung. So fallen nach Angaben der Landesärztekammer zwischen einem Fünftel und einem Viertel der Bewerber zunächst durch die Fachsprachenprüfung und benötigen weitere Anläufe.
Bei der Gleichwertigkeitsprüfung überprüft das Landesverwaltungsamt bislang anhand der eingereichten Unterlagen, ob die Abschlüsse deutschen Standards entsprechen. Hier werden Vergleichsgutachten oder die Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen herangezogen. Dies allein kann Monate dauern. Erst nach Bestätigung der Gleichwertigkeit und bestandener Sprachprüfung können sich Nicht-EU-Mediziner bislang zur medizinischen Kenntnisprüfung anmelden.
Bundestag beschließt Verfahrensbeschleunigung
Der Bundestag hat nun vor einigen Tagen ein Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennung beschlossen, das die verschiedenen Schritte straffen soll. Es muss noch durch den Bundesrat und soll voraussichtlich im November in Kraft treten.
Die lange Verfahrensdauer hatte in Thüringen immer wieder zu Kritik geführt. Das Gesundheitsministerium verweist in seiner Antwort darauf, dass das Landesverwaltungsamt die Dauer bisher nur bedingt beeinflussen könne. Es setzt Hoffnungen in die neuen Bundesregeln.
In Thüringen arbeiten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte mit ausländischem Pass, das ist ein Fünftel der berufstätigen Mediziner. Hauptherkunftsland ist Syrien mit 372 Medizinern, gefolgt von Rumänien (219).
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