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Zwei Buchenwald-Verbände gegen Weimer-Auftritt bei Gedenken

Zwei Verbände kritisieren einen geplanten Auftritt des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer beim Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. (Archivbild) / Foto: Martin Schutt/dpa
Zwei Verbände kritisieren einen geplanten Auftritt des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer beim Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. (Archivbild) / Foto: Martin Schutt/dpa

Zwei Buchenwald-Verbände fordern Kulturstaatsminister Weimer auf, wegen umstrittener Positionen nicht beim Gedenken zur Befreiung aufzutreten.

Zwei Buchenwald-Verbände haben Kulturstaatsminister Wolfram Weimer aufgefordert, auf einen öffentlichen Auftritt beim Gedenken zur Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers zu verzichten. Sie werfen den parteilosen Politiker vor, er habe es an Verständnis für KZ-Überlebende missen lassen. Der Zentralrat der Juden und der israelische Botschafter Ron Prosor stellten sich hingegen ausdrücklich hinter Weimer. Auch der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Jens-Christian Wagner, begrüßte Weimers Teilnahme an der geplanten Gedenkveranstaltung am 12. April.

Die Vorsitzende der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora, Katinka Poensgen, und der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora, Horst Gobrecht - zwei Zusammenschlüsse von Angehörigen ehemaliger politischer Häftlinge des Lagers - äußerten ihre Kritik in einem offenen Brief an Weimer. «Tatsächlich haben wir Sie und Ihre inhaltlichen Positionen in den vergangenen Jahren nicht so wahrgenommen, dass Sie sich mit dem Vermächtnis der Überlebenden von Buchenwald und anderer Lager positiv beschäftigt hätten», heißt es darin. 

Verbände lehnen Auftritt von Weimer ab 

Sie monieren unter anderem, Weimer habe mehrfach das Zitat von Heinrich Heine «Der Taufschein ist die Eintrittskarte zur europäischen Kultur» benutzt. Es bedeute «für viele der ehemaligen Häftlinge des Lagers Buchenwald – und auch uns als Nachkommen und politischen Nachfolgern von Überlebenden, dass wir aus ihrer Sicht nicht zum Bereich der europäischen Kultur gehören», heißt es in dem Brief. 

Die Autoren nehmen auch Bezug auf die Kontroverse über Weimers Entscheidung, drei linke Buchläden wegen «verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse» von der Liste für den Deutschen Buchhandlungspreis streichen zu lassen. «Wir sind überzeugt davon, unsere Angehörigen hätten auch zum Kundenkreis der drei Buchläden gehören können. Bei Verhaftungen durch die Gestapo wurde bei ihnen nachweislich linke Literatur beschlagnahmt», schreiben die Vorsitzenden der beiden Verbände. 

Weimer hält an Plänen fest

Ein Sprecher Weimers sagte, es sei nach wie vor geplant, dass der Kulturstaatsminister an der Veranstaltung teilnimmt und dort spricht. Gedenkstättenleiter Wagner befürwortete dies in einer schriftlichen Erklärung: «In Zeiten des weltweiten Rechtsrucks und vielfacher Angriffe auf die Gedenkstättenarbeit und die reflexive Erinnerungskultur setzt Kulturstaatsminister Weimer mit seiner Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Lagerbefreiung in Buchenwald ein sehr wichtiges Zeichen der Unterstützung unserer Arbeit.»

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erklärte: «Ich begrüße, dass Staatsminister Weimer am 12. April in Buchenwald sprechen wird. Seit Herr Weimer im Amt ist, macht er den Erhalt der Erinnerungskultur in Deutschland, die wesentlich durch die Orte der Erinnerung wie die KZ-Gedenkstätten getragen wird, zu einem seiner Kernanliegen.» 

Israels Botschafter Prosor äußerte sich ähnlich. «Einzelne Stimmen wollen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer vom Gedenken in Buchenwald ausschließen. Das ist falsch. Er ist eine der klarsten Stimmen im Kampf gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben in Deutschland.» Die Erinnerung an die Shoah dürfe nicht zum politischen Grabenkampf werden, meint der Diplomat. 

Kampagne von Aktivisten 

Das diesjährige Gedenken hat bereits für Diskussionen gesorgt. Grund ist unter anderem die Kampagne «Kufiyas in Buchenwald» linksradikaler und propalästinensischer Aktivisten, die im Internet zu Protest während des Gedenkwochenendes zum 81. Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers aufgerufen haben. Die Gedenkstätte bezeichnete dies als «völlig unangemessene Instrumentalisierung des Gedenkens». Auch die Lagergemeinschaft und die Lagerarbeitsgemeinschaft hatten erklärt, die Kampagne abzulehnen. 

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung am 12. April soll der Entertainer Hape Kerkeling eine Rede halten, dessen Großvater in Buchenwald inhaftiert war. Von Weimer ist ein Grußwort vorgesehen.

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