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Uraufführung von DDR-Operette «Messeschlager Gisela» umjubelt

Das Stück soll am 8.06.2024 Premiere feiern. / Foto: Britta Pedersen/dpa
Das Stück soll am 8.06.2024 Premiere feiern. / Foto: Britta Pedersen/dpa

Die Komische Oper Berlin haucht der DDR-Operette «Messeschlager Gisela» von Gerd Natschinski neues Leben ein. Die Inszenierung begeistert mit heiterem Musiktheater und gesellschaftskritischem Witz.

Mit einer umjubelten Premiere hat die Komische Oper Berlin der DDR-Operette «Messeschlager Gisela» von Gerd Natschinski (1928-2015) neues künstlerisches Leben eingehaucht. Als Bühne diente der Oper ein eigens am Roten Rathaus der Hauptstadt aufgebautes Zirkuszelt. Für die Soli-Stimmen sowie Orchester und Chor unter Dirigent Adam Benzwi gab es am Samstagabend anhaltenden Applaus.

Natschinski, einstiger Meisterschüler von Hanns Eisler, schuf neben der Musik für Dutzende Filmproduktionen auch zahlreiche Operetten, Musicals und musikalische Lustspiele. Der «Spiegel» nannte ihn 1974 in Anspielung auf den US-Komponisten «DDR-Gershwin». Auch die Melodie für das viel gesungene Pionier-Lied «Lied der jungen Naturforscher» stammt von Natschinski. Der Text von Jo Schulz sollte mit dem Operetten-Stoff «Messeschlager Gisela» den Alltag der Werktätigen zum Thema machen.

Heiteres Musiktheater der DDR

Vieles im Stück selbst bewegt sich aus heutiger Sicht zwischen Kitsch und Klamauk. Alles spielt in Modeatelier VEB Berliner Schick. Betriebsleiter ist ein Herr Kuckuck (Thorsten Merten), der als einstiger Buchhalter massenhaft untragbare Waren produzieren lässt - in den von Ideologien geprägten 60er Jahren auch ein Seitenhieb auf den kapitalistischen West-Konsum. Der Verkaufsschlager für die Modemesse in Leipzig, getragen von der betriebseigenen Sekretärin (Maria-Danaé Bansen), kommt dann auch von der Werktätigen Gisela (Gisa Flake), umworben vom Zeitungsmann Fred Funke (Nico Holonics).

Regisseur Axel Ranisch, von der Komischen Oper als «bekennende Ost-Berliner» markiert, spricht von «heiterem Musiktheater der DDR». Diese Form galt als Versuch der Abgrenzung von einer Operette, die bourgeoise Gesellschaftsordnungen hofierte, oder dem US-amerikanischen Musical.

Nach dem Mauerbau umgeschrieben

Ranischs Inszenierung spielt mit den Klischees und umschifft auf diese Weise einige mögliche Peinlichkeiten. So ergibt sich ein zweistündiger Spaß auch vor eigentlich schwierigem historischen Hintergrund.

«Eine flotte Lustspielhandlung mit gesellschaftskritischem Witz, kabarettistische Würze und was fürs Gemüt», hieß es in einer Kritik der «Berliner Zeitung» nach der Uraufführung 1960 im Ost-Berliner Metropol-Theater. Das Parteiorgan «Neues Deutschland» schrieb von einer «witzigen Lektion über Erziehung zum Kollektiv, zum sozialistischen Denken und Handeln».

In DDR-Zeiten war «Messeschlager Gisela» ein Erfolg. Auf die Premiere folgten rasch zwei Dutzend andere Produktionen auf den Bühnen. In einer nach dem Mauerbau aktualisierten Fassung geht eine Dienstreise im Stück nicht mehr nach Paris, sondern nach Prag.

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