Die bundesweit einzige SPD/BSW-Koalition in Brandenburg ist nach mehr als einem Jahr geplatzt – vor allem am Streit innerhalb des BSW und dem Partei- und Fraktionsaustritt mehrerer BSW-Landtagsabgeordneter. Als zerstritten gilt nicht nur der Landesverband in Brandenburg, sondern auch die in Sachsen-Anhalt, Hamburg oder Bayern. Wie ist die Situation in Thüringen – dem einzigen Bundesland, in dem das BSW nach dem Desaster von Potsdam noch mitregiert?
Politikwissenschaftler: «Relativ sicheres Fahrwasser»
Der Jenaer Politikwissenschaftler Torsten Oppelland sieht in dem Doppelhaushalt einen Erfolg. Damit könne die Dreier-Koalition in den kommenden zwei Jahren relativ selbstständig arbeiten. «Das ist gut für den Zusammenhalt der Koalition.» Solange sich das BSW weitgehend auf Thüringen konzentrieren könne, sieht er keine größeren Probleme. Es sei in «relativ sicherem Fahrwasser». In Thüringen sei die Situation des BSW «stabiler und ruhiger als in anderen Landesverbänden und in der Bundespartei».
Aber von außen könnten Meinungsverschiedenheiten in die Koalition hineingetragen werden – beispielsweise wenn es um die Haltung zu internationalen Konflikten gehe. «Das kann passieren, wenn die Bundespartei immer wieder reingrätscht.» Bundesweit stehe die junge Partei unter enormem Druck – auch mit Blick auf mehrere Landtagswahlen in diesem Jahr.
Brandenburg sorgt für Unruhe
Nach der Erklärung des Brandenburger Finanzministers Robert Crumbach, Partei und Landtagsfraktion zu verlassen, und dem Scheitern der SPD/BSW-Koalition in Potsdam beeilte sich Thüringens Fraktionschef Frank Augsten, die Verlässlichkeit seiner Partei in Parlament und Regierung zu betonen. «Die Landesregierung und die BSW-Fraktion sind sich ihrer Verantwortung bewusst und arbeiten weiter vertrauensvoll zusammen», so Augsten. Ihm pflichte der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Andreas Bühl, bei: «Die Zusammenarbeit der Regierungsfraktionen ist von Verlässlichkeit, Sachorientierung und gegenseitigem Respekt geprägt.»
Trotzdem ist die politische Situation für das Thüringer BSW schwierig: BSW-Landesvorsitzende Wolf liegt regelmäßig mit Parteigründerin Sahra Wagenknecht im Clinch – Wagenknecht sowie einige im Bundesvorstand sind der Meinung, die Thüringer Regierungsbeteiligung mit CDU und SPD habe dem BSW Wähler gekostet und den Einzug in den Bundestag vermasselt.