Wenige Monate vor dem Ende der Legislaturperiode sind Kandidaten für wichtige Positionen in Justiz und Innerer Sicherheit bei Wahlen im Parlament gescheitert. Die langjährige Richterin Ute Jung erhielt nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit für ihre Wiederwahl. Auch der Linke-Abgeordnete André Blechschmidt fiel bei einer Wahl als Mitglied in ein Gremium zur Kontrolle des Verfassungsschutzes durch. Beide verfehlten die nötige Zweidrittelmehrheit.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) reagierte erschüttert. «Einer sehr erfahrenen und seit Jahren anerkannten Richterin die Stimme zu versagen, macht nur noch fassungslos», sagte Ramelow der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in Erfurt. Das sei auch gegenüber dem Staat verantwortungslos, denn man behindere den Verfassungsgerichtshof in seiner Arbeit.
Jung erhielt 55 Ja-Stimmen, wobei 60 für eine Zweidrittelmehrheit nötig gewesen wären. Nach Angaben des SPD-Vize-Fraktionschefs Lutz Liebscher übte Jung ihre Stellvertreterposition aktiv aus, bearbeitete also Fälle am höchsten Gericht im Freistaat.