Die Thüringer sind überzeugt von der Demokratie, viele aber unzufrieden mit ihrer Umsetzung. Das geht aus dem neuen Thüringen-Monitor der Universität Jena hervor. Demnach unterstützen 90 Prozent der Menschen im Freistaat die Idee der Demokratie - der höchste Wert in der Geschichte der Langzeitstudie. Mit der konkreten Praxis sind jedoch nur 44 Prozent zufrieden. Diese Kluft biete Anknüpfungspunkte für populistische und systemkritische Narrative, die die grundsätzliche Legitimität des politischen Systems infrage stellten, warnt die Politikwissenschaftlerin Marion Reiser.
Während Institutionen wie Polizei und Gerichte nach wie vor hohes Vertrauen genießen, schneidet die Landesregierung deutlich schlechter ab. Nicht einmal jeder Dritte (29 Prozent) war zuletzt zufrieden - der niedrigste Wert seit langem. Noch schlechter kommt die Bundesregierung mit nur 21 Prozent weg.
«Positiv, ist, dass diese hohe Demokratieunzufriedenheit wie auch schon in den Vorjahren nicht zu einer gestiegener Befürwortung alternativer Gesellschaftsordnungen geführt hat», konstatiert Studienleiterin Reiser. So sei die Zustimmung zur Aussage, der Nationalsozialismus habe auch seine guten Seiten, ebenso konstant zu den Vorjahren (12 Prozent) wie die Zahl derer, die eine Rückkehr zum Sozialismus befürworten (20 Prozent).