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Uni-Jena-Studie: Internationale Studierende fühlen sich in Thüringen oft nicht willkommen

Die Forschungseinrichtung KomRex der Uni Jena hat Studierende aus dem Ausland zu ihren Rassismuserfahrungen in Thüringen befragt. (Illustration) / Foto: Jan Woitas/dpa
Die Forschungseinrichtung KomRex der Uni Jena hat Studierende aus dem Ausland zu ihren Rassismuserfahrungen in Thüringen befragt. (Illustration) / Foto: Jan Woitas/dpa

Uni-Jena-Studie: Internationale Studierende berichten von Alltagsrassismus und AfD-Sorgen; viele zweifeln, nach dem Abschluss in Thüringen zu bleiben.

Ausländische Studierende erleben Thüringen oft als wenig weltoffen. Sie tun sich deshalb häufig schwer damit, nach dem Ende ihres Studiums im Freistaat zu bleiben. Das geht aus Forschungsergebnissen der Uni Jena hervor. 

«Internationale Studierende zu gewinnen reicht nicht aus – entscheidend ist, ob Thüringen für sie ein Ort ist, an dem sie sich sicher fühlen, passende berufliche Perspektiven haben und politisch sowie wirtschaftlich mitgestalten können», sagte Laura Dellagiacoma, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration der Universität Jena (KomRex). Sie war an einem Forschungsprojekt beteiligt, bei dem internationale Studierende sowie nicht deutsche Absolventen der Universität befragt worden sind. 

Die politische und gesellschaftliche Situation in Thüringen sei für die Betroffenen kein abstraktes Thema, sagte Dellagiacoma. Dass sie etwa rassistische Erfahrungen im Alltag machten, habe «konkrete Auswirkungen auf Sicherheitsgefühl, Zugehörigkeit und Bleibeperspektiven».

Studierende äußern Sorgen wegen AfD-Zustimmungswerten

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden im Zeitraum von Januar bis Mai 2025 insgesamt 37 Studierende und Absolventen auf Deutsch oder Englisch befragt. Auf die Forschungsergebnisse wird auch in einem Aufsatz verwiesen, der als Teil der aktuellen «Thüringer Zustände» erscheint. Dabei handelt es sich um einen seit 2020 jährlich veröffentlichten Sammelband, der von den Demokratieberatern von Mobit, den Opferberatern von ezra, dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft sowie dem KomRex gemeinsam herausgegeben wird.

In diesem Aufsatz heißt es etwa, die hohen Zustimmungswerte für die AfD würden von vielen internationalen Studierenden als besorgniserregend empfunden. «Mehrere Befragte berichteten von einer Zunahme sowohl subtiler rassistischer Handlungen – etwa Mikroaggressionen wie übergriffige Blicke oder unfreundliches Verhalten – als auch manifester rassistischer Vorfälle», sagte Dellagiacoma.

Beleidigt, weil sie nicht Deutsch gesprochen haben

Vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln hätten sich solche Situationen ereignet. Aber auch außerhalb von Bussen und Bahnen kommt es laut den Schilderungen der Studierenden zu solchen Übergriffen. «So wurde geschildert, dass eine Gruppe beim Spazieren im Zentrum Jenas von Jugendlichen angeschrien und rassistisch beleidigt wurde, weil sie sich nicht auf Deutsch unterhielt.»

Mehrere der Befragten, die schon längere Zeit in Thüringen leben, berichteten demnach, dass mehr Menschen im Freistaat ihren Rassismus heute offener zeigten als noch vor einiger Zeit. Rassismus habe an gesellschaftlicher Akzeptanz gewonnen. Angesichts dieser Lage spielten immer mehr internationale Studierende oder Absolventen mit dem Gedanken, Thüringen und Deutschland zu verlassen.

Fachinteresse bringt ausländische Studierende nach Thüringen

Dellagiacoma sagte der dpa, aus den Interviews werde auch deutlich, dass viele Studierende wegen sehr konkreter fachlicher Interessen nach Thüringen kämen, etwa wegen sehr spezifischer Master-Programme oder weil bestimmte Forschungsinstitute im Freistaat angesiedelt seien. 

«Viele haben vor ihrer Ankunft nur begrenzte Vorkenntnisse über die politische Lage in Thüringen», sagte Dellagiacoma. «Deshalb würde ich vorsichtig damit sein, zu sagen, dass internationale Studierende wegen der politischen Lage grundsätzlich nicht mehr nach Thüringen kommen werden.» 

Ob die jungen Menschen dann aber in Thüringen blieben, hänge davon ab, welche Erfahrungen sie während des Studiums machten und ob sie im Land eine passende Arbeitsstelle fänden. «Genau diese beiden Aspekte sind in unseren Interviews stark mit dem politischen und gesellschaftlichen Kontext verbunden.»

Angriff in Ilmenau

In der diesjährigen Ausgabe der «Thüringer Zustände» findet sich auch ein Aufsatz, der sich mit dem Angriff auf mehrere internationale Studierende der Technischen Universität Ilmenau im April 2025 befasst. Diese waren damals aus einem Auto heraus mit Hartgummimunition beschossen worden. In dem Aufsatz heißt es, auch dieser Angriff sei nicht völlig überraschend gekommen. Viele nicht deutsche Studierende seien mit Alltagsrassismus konfrontiert.

An den Thüringer Hochschulen studieren tausende Menschen aus dem Ausland. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik gab es im Wintersemester 2024/25 alleine an der Universität Jena etwa 2.400 ausländische Studierende, an der Technischen Universität Ilmenau waren es fast 2.000.

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