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Wie wahrscheinlich wird die Wolfsjagd in Thüringen?

Der Landesjagdverband Thüringen geht nicht davon aus, dass mit der gesetzlichen Einstufung des Wolfs als jagdbare Art die Pelzträger in großer Zahl in Thüringen geschossen werden. (Symbolbild) / Foto: Christian Charisius/dpa
Der Landesjagdverband Thüringen geht nicht davon aus, dass mit der gesetzlichen Einstufung des Wolfs als jagdbare Art die Pelzträger in großer Zahl in Thüringen geschossen werden. (Symbolbild) / Foto: Christian Charisius/dpa

Die Politik werkelt an Änderungen der Jagdverordnung für die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht. Die Jägerschaft bereitet sich vor, geht aber nicht von einem großen Halali auf den Wolf aus.

Der Landesjagdverband erwartet auch mit der nahenden Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz keine häufigeren Abschüsse der Tiere in Thüringen. «Aus heutiger Sicht ist nicht von flächendeckenden Entnahmen in Thüringen auszugehen, sondern von gezielten Maßnahmen bei problematischen Individuen oder Rudeln», heißt es auf Anfrage vom Jagdverband. 

Zwar ist der Wolf mittlerweile in Thüringen wieder vertreten und bereitet Schäfern und anderen Weidetierhaltern mehr als nur ein bisschen Sorge. Mit aktuell etwa 30 Wölfen steht Thüringen aber in keinem Vergleich zu Bundesländern wie Brandenburg oder Sachsen, wo es deutlich mehr gibt. In letzterem Bundesland gehen Fachleute etwa allein von mehr als 30 Rudeln mit mehreren Tieren aus.

Anpassung zum Schutz von Schafen und anderen Herdentieren

Dennoch halten die Jäger eine Anpassung der Jagdverordnung in Thüringen für geboten. Aus ihrer Sicht erhöht die aktuelle Entwicklung mit wiederholten Rissen auch von großen Weidetieren wie Rindern und Pferden den Handlungsdruck. Es gehe auch darum, dass sich bei den Wildtieren kein als problematisch empfundenes Verhalten verfestige. 

An einer Anpassung der Jagdordnung wird bereits gearbeitet. Denn das Land muss auf die voraussichtliche Aufnahme des geschützten Wolfs als jagdbare Tierart ins Bundesjagdgesetz reagieren. Allerdings muss der Bundesrat dem Vorhaben noch zustimmen. Das wird für den 27. März erwartet.

Das Umweltministerium ist bereits damit befasst. Auch die Fraktionen der Brombeer-Koalition haben schon einen entsprechenden Entwurf in der Schublade. Der Antrag dafür soll bei einer der nächsten Landtagssitzungen eingebracht werden. 

Problemwölfe soll es an den Kragen gehen

Der von Naturschützern stark kritisierte Beschluss des Bundestags zielt auf einen erleichterten Abschuss von Wölfen zum Schutz von Weidetieren ab. Sogenannte Problemwölfe können dann einfacher geschossen werden - etwa wenn sie Zäune überwunden und Schafe gerissen haben. Auch in Regionen, wo der Schutz von Weidetieren für die Halter mit einem unzumutbaren Aufwand verbunden wäre, könnten künftig solche Wölfe eher getötet werden.

Vorgesehen ist auch, dass Bundesländer die Jagd in jenen Regionen erlauben dürfen, wo sich der Wolf in einem günstigen Erhaltungszustand befindet. Die genaue Definition dieses Begriffs ist aber bislang nicht geklärt. Genauso wenig steht fest, wer die Einstufung in den Regionen jeweils vornehmen soll. 

Noch keine klaren Definitionen

Im Antragsentwurf aus den Fraktionen von CDU, BSW und SPD heißt es auch deshalb, dass Thüringen zusammen mit anderen betroffenen Ländern die Bundesregierung um Vorgaben beim Wolfsmonitoring bitten solle. Damit sollen die Wolfsbestände über Landesgrenzen hinweg einheitlich und vergleichbar reguliert werden. 

Auch der Landesjagdverband Thüringen fordert einen wissenschaftlich fundierten Schwellenwert mit einer verbindlichen Definition, was ein «günstiger Erhaltungszustand» ist. Aus Sicht der Jäger sollte bei der Festlegung dafür etwa die jeweilige Populationsgröße und -entwicklung und die Ausbreitung der Tiere berücksichtigt werden.

Wo der Herdenschutz kaum möglich ist

Warum der Abschuss gerade von den eigentlich als geschützt geltenden Wölfen in manchen Fällen vertretbar ist, fasst der Sprecher der CDU-Fraktion für Jagd und Forsten, Stephan Tiesler, so zusammen: «Der Wolf bleibt geschützt. Aber erfolgreicher Artenschutz bedeutet auch aktives Bestandsmanagement.» Viele Weidetierhalter in Thüringen hätten enorme Anstrengungen beim Herdenschutz unternommen, dennoch komme es immer wieder zu Rissen. 

Mehr als kritisch sehen etwa die Naturschützer vom Nabu Thüringen die Pläne zur erleichterten legalen Jagd auf den Wolf. So würde etwa die geplante Jagdzeit für Populationen im günstigen Erhaltungszustand im Sommer vor allem die Welpen beeinträchtigen, argumentierte etwa Marcus Orlamünder, der Naturschutzreferent des Nabu Thüringen. 

Nabu: Weniger Wölfe heißt nicht unbedingt weniger Risse

«Weniger Wölfe bedeuten nicht automatisch weniger Nutztierrisse. Werden Rudelstrukturen durch Abschüsse gestört, kann die Zahl der Risse sogar steigen», so Orlamünder weiter. Soll heißen: Rudel, die Mitglieder durch Abschüsse verlieren, könnten erst recht Beute in Nutztierherden suchen. Aus Sicht des Nabu muss deswegen weiter an besserem Schutz der Herden gearbeitet werden.

Bislang durften nur mit Sondergenehmigung und unter bestimmten Auflagen einzelne Problemwölfe geschossen werden. Dass der Wolf nun überhaupt ins Jagdrecht aufgenommen wird, hängt mit einer Entscheidung aus dem Sommer 2025 zusammen: Damals stuften die EU-Staaten den Schutzstatus des Wolfs von «streng geschützt» auf «geschützt» herab und schufen damit die Voraussetzung für Änderungen im Jagdrecht.

Wolf künftig Teil der Jägerausbildung

Der Landesjagdverband derweil erklärte, dass der Wolf unabhängig von einer möglichen zukünftigen Aufnahme ins Jagdgesetz perspektivisch fester Bestandteil der Jägerausbildung werde. So werde künftig sichergestellt, dass die Jägerschaft in Thüringen sowohl fachlich als auch rechtlich gut vorbereitet sei. Schon jetzt helfen auch als sogenannter Rissgutachter geschulte Jäger dabei, Wolfsangriffe auf Herdentiere zu dokumentieren und zu bewerten.

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