Thüringens Hochschulen und Universitäten sollen künftig ein aktiverer Teil der Gesellschaft sein. Sie sollen «auf der Grundlage der Freiheit von Wissenschaft und Kunst zur Stärkung von Demokratie, offener Gesellschaft und nachhaltiger Entwicklung beitragen», wie es im Entwurf der neuen Thüringer Hochschulrahmenvereinbarung heißt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
In der aktuellen Vereinbarung, die in diesem Jahr ausläuft, gibt es keinen solchen Passus. Dort heißt es lediglich in der Präambel, die Hochschulen hätten die Aufgabe, den gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten.
Die Häuser sollen dem aktuellen Entwurf nach ihre Forschungsergebnisse aktiv an die Öffentlichkeit, aber auch an politische Entscheidungsträger kommunizieren. Wissenschaftskommunikation solle ein eigenständiger Bestandteil ihrer Aufgaben werden. Dafür sollen geeignete Strukturen geschaffen werden, um einen Dialog zwischen den Hochschulen sowie Gesellschaft, Kultur und Politik zu fördern.
Auch die Beratung der Politik soll als neue Aufgabe verankert werden. «Die Hochschulen betrachten es als Aufgabe ihrer Mitglieder, Politik, Verwaltung, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur auf der Grundlage ihrer jeweiligen wissenschaftlichen oder künstlerischen Expertise zu beraten», heißt es in dem Entwurf. Eine vergleichbar detaillierte Aufgabenbeschreibung gibt es in der bisherigen Hochschulrahmenvereinbarung nicht.
Sattler: «Hochschulen brauchen dafür mehr Ressourcen»
Der Vorsitzende der Thüringer Landespräsidentenkonferenz, Kai-Uwe Sattler, sagte, er finde es richtig, dass diese Aufgaben der Hochschulen besonders betont werde. Gerade in Zeiten, in denen die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft immer wieder in Zweifel gezogen werde, sei das ein wichtiger Punkt.
Wenn das Land wolle, dass diese Aufgabe wirklich ernst genommen werde, bräuchten die Hochschulen dafür weitere Ressourcen. «Wir haben keine großen PR-Abteilungen, wir machen das mit den Mitteln, die wir haben und die sind natürlich begrenzt», sagte Sattler.
Zudem sei es mit Blick auf die Beratungsfunktion von Hochschulen wichtig, dass diejenigen, die sich beraten ließen, dann auch annähmen, was Wissenschaftler ihnen sagten. Dazu gehöre ein Verständnis dafür, dass in der Wissenschaft keine abschließenden Wahrheiten produziert würden, sondern dass sich Forschungsergebnisse im Laufe der Zeit verändern könnten. Trotzdem müsse es in einer demokratischen Gesellschaft dabei bleiben, das politische Entscheidungen von Politikern und nicht von Wissenschaftlern getroffen würden.
«Das hat man auch in Corona-Zeiten gesehen», sagte Sattler. «Wissenschaft kann die Fakten oder die Erkenntnisse auf den Tisch legen, aber entscheiden müssen diejenigen, die dafür gewählt worden sind, und die oft noch andere Faktoren berücksichtigen müssen.»
Neue Rahmenvereinbarung soll acht Jahre gelten
Zur neuen Hochschulrahmenvereinbarungen hatte es nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums vor einigen Wochen ein Werkstattgespräch gegeben. Dabei war auch über die schwieriger werdenden Rahmenbedingungen für die Universitäten und Fachhochschulen gesprochen worden. Dazu gehören unter anderem potenziell sinkende Studierendenzahlen und die geringeren finanziellen Spielräume in den öffentlichen Haushalten.
Nach Angaben des Ministeriums könnte die neue Rahmenvereinbarung erstmalig für einen Zeitraum von acht Jahren, also von 2027 bis 2034, gelten. Der Entwurf der Vereinbarung soll noch im Mai vom Kabinett verabschiedet werden. Die aktuelle Rahmenvereinbarung läuft noch bis Ende 2026.
Veränderungen im Hochschulsystem aushandeln
In Thüringen wird derzeit über eine neue Rahmenvereinbarung zwischen Land und Hochschulen ab dem Jahr 2027 diskutiert. Darin geht es nicht nur darum, wie viel Geld die Hochschulen künftig vom Land erhalten, sondern auch um mehr Zusammenarbeit etwa in Verbünden. Die einzelnen Hochschulstandorte sollen aber erhalten bleiben.
Die auslaufende Finanzierungsvereinbarung wurde deshalb um ein Jahr verlängert. Dies soll der Thüringer Landesregierung und den Hochschulen Zeit verschaffen, Veränderungen im Hochschulsystem auszuhandeln.
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