Sitzblockaden und Sprechchöre, später ein Polizeieinsatz mit Schlagstöcken und Pfefferspray: In Jena haben Demonstranten einen Wahlkampf-Auftritt von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke verhindert. Im Netz feiern AfD-Gegner die Blockaden als Erfolg, die AfD hingegen sieht sich als Opfer. In Thüringen wird in eineinhalb Wochen ein neuer Landtag gewählt und die Stimmung im Wahlkampf gilt als aufgeheizt. Seit Wochen tingeln Landespolitiker durch das Land - und treffen auf Demonstranten, Gegendemonstranten oder teils wütende Bürger.
Für Diskussionen sorgte am Dienstag in Jena eine Situation, bei der sich Augenzeugen zufolge ein Auto aus Höckes Tross in Richtung der Demonstrierenden bewegte. Die Polizei habe Schlagstöcke gezogen und Demonstrierende weggeschoben, monierte etwa die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss. Die Polizei prüft derzeit, ob es ein Fehlverhalten gegeben hat. Laut Stadt waren Sitzblockaden nicht zugelassen.
Großdemonstration am Wochenende
Thüringens AfD-Co-Chef Stefan Möller sagt, von Links gehe Gewalt aus «und in Mitleidenschaft gezogen werden Veranstaltungen der AfD». Er monierte, es würden «gezielt» Demonstrationen von Vertretern der Regierungsparteien angemeldet, «die dazu führen, dass eine Wahlkampfveranstaltung der Opposition nicht stattfinden kann».
Doch auch in die andere Richtung schlägt das Pendel aus. Die Linke etwa beklagt immer wieder Schäden an ihren Wahlkreisbüros, zuletzt war auch das Büro von Ministerpräsident Bodo Ramelow in Mitleidenschaft gezogen worden. Nach einer AfD-Wahlkampfveranstaltung vergangenes Wochenende in Gera ermittelt die Polizei wegen einer Nötigung und versuchten Körperverletzung gegen einen freien Journalisten. Außerdem soll der Hitlergruß gezeigt worden sein.