Ein bisschen Frieden beim Bündnis Sahra Wagenknecht: Vor ein paar Wochen drohte der geplanten Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD in Thüringen das Aus, nun stimmte die Wagenknecht-Partei dem mühsam ausverhandelten Koalitionsvertrag zu. Die Parteigründerin sprach bei einem Landesparteitag in Ilmenau von einem «guten Kompromiss». Der innerparteiliche Streit scheint offiziell passé. «Wir sind zwei starke Frauen, die inhaltlich so nah beieinander stehen», sagte Thüringens BSW-Chefin Katja Wolf.
Keine Mehrheit im Parlament in Erfurt
Aus eigener Kraft kann sie Voigt also in den ersten beiden Wahlgängen nicht zum Ministerpräsidenten wählen, weil laut Thüringer Verfassung die absolute Mehrheit - 45 Stimmen - nötig ist. Erst in einem dritten Wahlgang reicht die relative Mehrheit und die Brombeer-Stimmen könnten genügen. Doch ob es dazu kommt, ist ungewiss. Denn bisher ist nicht ausgeschlossen, dass die vom Thüringer Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte AfD die eine fehlende Stimme liefert und damit den Ausschlag für Voigts Wahl schon in den ersten Wahlgängen geben könnte. Höcke ließ alles offen, auch eine eigene Kandidatur: Es sei einerseits «naheliegend, das Voigt einen Konkurrenten bekommt», sagte er kürzlich. Die andere Überlegung sei, «dass man ihn einfach tun lassen sollte» - mit der Perspektive eines Scheiterns.
Die Situation erinnert an Februar 2020, als die AfD einen Scheinkandidaten aufstellte und dann den FDP-Politiker Thomas Kemmerich Ministerpräsidenten von Thüringen wählte. Das Bundesland stürzte damals in eine tiefe Regierungskrise, Kemmerich trat nach drei Tagen zurück. Der Unterschied diesmal ist, dass Voigt im dritten Wahlgang wohl einigermaßen sicher gewählt wäre.
Darauf verwies in Ilmenau auch Wagenknecht. «Also es hängt ja nicht daran, ob die AfD ihn wählen wird», sagte sie. «Selbstverständlich» könne Voigt die Wahl annehmen. «Wir können doch nicht der AfD die Entscheidung darüber geben, ob jemand Ministerpräsident wird. Die Macht an Herrn Höcke auszuliefern, das wäre doch völlig verrückt.»