Die Nachbesetzung freigewordener Leitungsstellen in Thüringer Ministerien dauert teilweise Jahre. Das geht aus einer Abfrage der Deutschen Presse-Agentur bei der Staatskanzlei hervor. So sind im Thüringer Bildungsministerium seit Juli und seit September 2023 zwei Abteilungsleiterstellen unbesetzt - zu einer der Stellen gibt es eine Konkurrentenklage.
Manager in der Verwaltung
Abteilungsleiter sind eine Art verbeamtete Manager in der Verwaltung, die viele Entscheidungen treffen oder absegnen. Ihre Arbeit gilt als wichtig - und gut bezahlt. In der Regel werden Abteilungsleiter in der Besoldungsgruppe B3 eingruppiert, Grundgehalt: rund 9.600 Euro monatlich. Die politischen Grundlinien geben die Ministerinnen und Minister vor, die Staatssekretäre sorgen für deren Umsetzung im Apparat.
Auch in der Staatskanzlei sind zwei Abteilungsleiterposten vakant - seit Februar und seit August 2025. Im Infrastrukturministerium blieb eine Abteilungsleiterstelle seit Januar 2025 unbesetzt, im Sozialministerium fehlt eine Abteilungsleiterin oder ein Abteilungsleiter seit Mai 2024.
Mehr als ein Drittel der Referatsleiterposten unbesetzt
Im Innenministerium sind von 29 Referatsleiterstellen zwölf unbesetzt - und damit deutlich mehr als ein Drittel. Hier laufen den Angaben nach zwei Konkurrentenklagen.
Im Falle von Vakanzen müssen nach Angaben von Staatskanzleichef Stefan Gruhner (CDU) andere in der Verwaltung die Arbeit der fehlenden Führungskraft übernehmen. «Natürlich hat man ein Interesse, dass die Stellen so schnell wie möglich besetzt werden», sagte er. Dabei seien die Einstellungsverfahren an sich nicht das Problem. «Das Problem entsteht, wenn geklagt wird.»
Mit Konkurrentenklagen versuchen Verwaltungsbeamte, eine in ihren Augen fehlerhafte Besetzung anzufechten. Die Klagen führen oft dazu, dass die Nachbesetzung der freien Stelle blockiert wird - bis ein Verwaltungsgericht darüber entschieden hat. «Natürlich ist es wünschenswert, dass solche Verfahren schneller gehen. Aber es ist ein rechtsstaatlicher Weg, den jeder hat, eben auch zu klagen», sagte Gruhner.
Kaum Frauen in Top-Positionen
In der Staatskanzlei sind von 31 Referatsleiterstellen sieben unbesetzt - teils seit 2024 oder Anfang 2025. Im Justizministerium sind acht von 37 Leitungsstellen offen - in einem Fall seit Oktober 2021, also seit viereinhalb Jahren, in einem anderen Fall seit November 2022.
Die Daten zeigen auch, dass Top-Positionen in den Ministerien vor allem von Männern besetzt sind. Von den 16 Staatssekretären der Landesregierung sind nur drei Frauen. Ähnlich sieht es bei Stabsstellenleitungen aus: Von elf besetzten Posten sind nur drei mit Frauen besetzt. Besonders drastisch ist der Unterschied bei den Abteilungsleitern: Von den 44 Abteilungsleiterstellen in den Thüringer Ministerien sind 38 aktuell besetzt - aber nur sechs mit weiblichen Führungskräften.
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