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Iran-Krieg zwingt Programmänderungen bei Jüdisch‑Israelischen Kulturtagen in Thüringen

Wegen des Iran-Kriegs werden einige Künstlerinnen und Künstler aus Israel nicht zu den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen kommen können.  / Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
Wegen des Iran-Kriegs werden einige Künstlerinnen und Künstler aus Israel nicht zu den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen kommen können. / Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Eigentlich sollten so viele Künstlerinnen und Künstler aus Israel kommen wie noch nie zuvor. Nun stehen etliche Termine auf der Kippe. Warum der Festivalleiter aber vor allem ans Menschliche denkt.

Die Folgen des Iran-Krieges machen sich auch in Thüringen bemerkbar. Für die anstehenden Jüdisch-Israelischen Kulturtage muss das Programm geändert werden. «Es wird Terminausfälle geben», sagte Festivalleiter Johannes Gräßer. Gleichzeitig betonte er, dass das Festival stattfinden werde, aber in angepasster Form. Details, welche Veranstaltungen genau betroffen sein werden, konnte er noch nicht nennen. «Die Lage ist absolut dynamisch, der Luftraum ist weiträumig gesperrt und es ist unklar, wann die Sperrungen wieder aufgehoben werden.» Wegen der Folgen des Iran-Krieges sitzen teils auch Deutsche im Ausland fest, darunter sollen auch Menschen aus Thüringen sein. 

Flugtickets storniert 

Die Flugtickets für Künstlerinnen und Künstler, die noch aus Israel zu dem am Donnerstag beginnenden Festival hätten einreisen sollen, seien allesamt gecancelt worden, so Gräßer. Von insgesamt rund 80 Veranstaltungen sei bei 16 daher nicht klar, ob sie in der geplanten Form oder überhaupt stattfinden könnten. Einige wenige israelische Künstler seien bereits in der vergangenen Woche in Thüringen angekommen. 

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sagte, es sei klar, dass diese Veranstaltungen geschützt werden müssen. «Wir haben auch den Kontakt aufgenommen zur jüdischen Landesgemeinde und das läuft sehr gut», sagte Maier. «Wir haben natürlich ein Auge drauf. Ist fast schon ein bisschen Routine, muss man leider sagen.» 

Dass das Festival trotz Krieg und Reiseunmöglichkeit stattfinde, sei nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein politisches Signal - gegen Gleichgültigkeit und für Verständigung, sagte Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. 

Auch Israels Botschafter Ron Prosor halte an seiner Teilnahme bei der Eröffnung bislang fest, sagte Festivalleiter Gräßer. Allerding sei auch hier von einer gewissen Dynamik auszugehen. Für die Eröffnung sei bereits vor den Angriffen ein besonderes Sicherheitskonzept erstellt worden. Auch bei den anderen Veranstaltungen sei die Polizei präsent. 

Nach Einschätzung von Innenminister Maier ist generell die abstrakte Gefahr im Zuge des Iran-Krieges größer geworden. «Man muss immer in Betracht ziehen, dass das angegriffene Land asymmetrisch reagiert. Das heißt also nicht in Form von direkten Gegenschlägen auf die Angreifer, sondern eben auch durch Angriffe auf verbündete Nationen», sagte der SPD-Politiker. Deutschland werde dabei als Verbündeter Israels angesehen. «Deshalb müssen wir immer damit rechnen, dass es zu solchen asymmetrischen Gegenreaktionen kommt.» 

Gefahr verdeckter Operationen 

Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer sieht dabei weniger eine Gefahr von Terroranschlägen als von verdeckten iranischen Aktionen. «Die Gefahr, dass der Iran verdeckte Operationen in westlichen Staaten wie Deutschland durchführt, ist absolut real. Wir haben eine anhaltend hohe Gefährdungslage», sagte Kramer dem «Handelsblatt». Dabei nutze der Iran unterschiedliche Wege. Als Beispiel nannte Kramer den digitalen Raum. «Pro-iranische Hacker und staatliche Gruppen nutzen Cyberangriffe für gezielte Störungen und Sabotage.» 

Eine konkrete Gefahr von Anschlägen hält Kramer dagegen für geringer. «Ein wahlloser Terror gegen die breite Bevölkerung ist weniger wahrscheinlich. Der Iran setzt eher auf gezielte Aktionen, die er offiziell auch abstreiten kann», sagte Kramer dem «Handelsblatt». Das betreffe Einschüchterung oder auch Anschlagspläne etwa gegen jüdische, US-amerikanische oder israelische Einrichtungen oder die iranische Exil-Opposition. «Teheran nutzt oft Mittelsmänner oder gar kriminelle Netzwerke, um die eigene Beteiligung zu verschleiern.»

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