Die Nachfrage steigt, die Spenden fließen – und doch geraten Thüringens Sozialkaufhäuser zunehmend unter Druck. Steigende Kosten, qualitativ schlechtere Spenden und wirtschaftliche Engpässe bringen viele Einrichtungen an ihre Grenzen. Die Kaufhäuser seien aktuell in einer Zeit des Umbruchs, fasst Thomas Müller, Sprecher für die Sozialkaufhäuser der Caritas im Bistum Erfurt zusammen.
Einer anhaltend hohe Nachfrage gerade in Städten und einer guten Spendenbereitschaft stünden die schwierige wirtschaftliche Lage und abnehmende Qualität der Spenden gegenüber. Umstände, die etwa die Schließung des Sozialkaufhauses in Schlotheim im Unstrut-Hainich-Kreis zur Folge hätten, das Ende März seinen Betrieb einstellen müsse.
Preisdruck ohne Preisspielraum
Den seinerzeit drohenden Kollaps vieler Einrichtungen im Zuge der drastischen Energiepreiserhöhungen zu Beginn des Ukrainekriegs haben die meisten Sozialkaufhäuser überstanden. Durch Sparmaßnahmen, staatliche Entlastungspakete oder Preisbremsen sei der Druck abgemildert worden. Gerade in Bezug auf Energiekosten sei dieser aber nach wie vor hoch, hieß es übereinstimmend.
So sei in vielen Sozialkaufhäusern die Lage angespannt. Das Wirtschaften der oftmals als Vereine organisierten und aus Spenden finanzierten Einrichtungen werde immer herausfordernder, hieß es. Das grundlegende Problem: Die Kostensteigerungen der vergangenen Jahre könnten nicht an die Kunden weitergegeben werden, erklärte etwa Karin Burfeind vom Sozialkaufhaus «NutzBar» des Erfurter Vereins «Kontakt in Krisen».
Hauptpreistreiber seien steigende Ausgaben für Lebensmittel und Energie. Aber auch kleine und versteckte Erhöhungen - etwa bei Versicherungen, Miete oder Nebenkosten summierten sich mit der Zeit. Das sei sowohl für die Kunden als auch für die Betreiber spürbar, so Burfeind.
«Keine 20 Euro übrig»
«Wir lassen unsere Preise aber bewusst sehr niedrig, weil von Armut betroffene Menschen es sich schlicht nicht leisten können, mehr zu zahlen», betonte Burfeind. Für Normalverdiener sei es schwer vorstellbar, aber es gebe immer mehr Menschen, die im Monat keine 20 Euro übrig hätten, um unter anderem kaputte Küchengeräte zu ersetzen. Daher solle Hilfesuchenden möglichst niederschwellig und unkompliziert geholfen werden.
Neben verschiedenen Beratungsangeboten biete der Erfurter Verein daher auch Tauschmöglichkeiten für Geräte sowie Ausleihangebote für Geschirr. Besonders beunruhigend sei in der Landeshauptstadt die stetig wachsende Zahl von Senioren, die von Altersarmut betroffen seien, sagte Burfeind.
Auch bei der Caritas im Bistum Erfurt und im SozialKontor in Weimar sei die Nachfrage sehr hoch und steigend, so die Sprecher. Im Sozialkaufhaus in Hildburghausen geht nach Aussagen von Sprecher Werner Müller die Nachfrage hingegen zurück. Mitunter fehle den Menschen schlicht das Geld zum Einkauf.
Fast Fashion, teure Entsorgung
Bei den Spenden sorge besonders die «Fast Fashion» - billig produzierte Kleidung von oft schlechter Qualität - für Probleme, erklärte unter anderem Christoph Blanke vom Erfurter Sozialkaufhaus Fairly Fair. Das Aufkommen sei so groß, dass einige Einrichtungen schon die Annahme pausieren mussten. Dabei steige auch der Anteil der Kleidung, die aussortiert und kostenpflichtig entsorgt werden müsse, immer stärker, hieß es.
Wünschenswert wäre aus seiner Sicht, dass der Gedanke von Nachhaltigkeit und langfristiger Verwendung von Produkten stärker in der Gesellschaft ankomme, so Blanke. Eine Einschätzung, die auch die anderen Befragten teilen. So solle etwa in Hildburghausen ein Repaircafé etabliert werden, bei denen Menschen bei der Reparatur von beschädigten Gegenständen geholfen werden soll - bisher sei die Anlaufzeit aber schwierig. Zudem hielte er es für hilfreich, wenn der Marktzugang für Billigangebote aus China stärker reguliert würde, so Blanke.
Einig sind sich die meisten befragten Einrichtungen zudem, dass grundsätzlich eine stärkere Unterstützung von Land und Bund nötig wäre. So könne die Arbeit der gemeinnützigen Einrichtungen im Kampf gegen Armut zukunftssicher gemacht werden.
Wer selbst Spenden möchte, sollte in jedem Fall am besten vorher mit der jeweiligen Einrichtung Kontakt aufnehmen, heißt es. So könne gleich geklärt werden, ob die Spenden verwendbar seien. Auch Geldspenden seien stets willkommen, damit die Arbeit für sozial bedürftige Menschen gesichert werden könne.
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